ESA-Astronaut Mogensen kehrt von ISS-Raumstation zurück

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Der ESA-Astronaut Andreas Mogensen, der Sojus-Kommandant Gennadij Padalka und der kasachische Kosmonaut Aidyn Aimbetow sind am 12. September 2015 um 02:51 Uhr MESZ in der kasachischen Steppe wieder gelandet und haben damit ihre Missionen zur Internationalen Raumstation ISS zum Abschluss gebracht.

Austausch der Raumkapsel Sojus

Mogensen und Aimbetow waren mit der Sojus-Kapsel TMA-18M mit dem Kommandanten Sergej Wolkow zur ISS geflogen, kehrten jedoch mit der TMA-16M unter Kommandant Gennadij Padalka wieder zur Erde zurück. Padalka hat damit eine sechsmonatige Weltraummission beendet. Die für den Hinflug benutzte neuere Kapsel wurde für den NASA-Astronauten Scott Kelly und den Kosmonauten Michail Kornijenko zurückgelassen, die zur Erforschung der Anpassung des menschlichen Körpers an Langzeitmissionen fast ein Jahr im All bleiben werden.

Die ESA nutzte diese Mission zur Erprobung neuer Technologien und Durchführung einer Reihe wissenschaftlicher Experimente. In seinem ersten Experiment filterte Mogensen Abwasser der Raumstation durch eine in Dänemark entwickelte biomimetische, d. h. der Natur nachempfundene Membran, um mit Hilfe von Nanotechnologie, die keiner zusätzlichen Energie bedarf, sauberes Trinkwasser herzustellen. Die Ergebnisse werden nun untersucht, um zu sehen, ob diese Technologie in Zukunft im Weltraum eingesetzt werden kann.

Darüber hinaus bediente Mogensen während seines kurzen Aufenthalts im All zwei auf der Erde befindliche Rover. Besondere Feinfühligkeit wurde ihm für das millimetergenaue Einführen eines Stifts in ein Loch abverlangt. So viel Präzision erfordert die Übertragung von Fingerspitzengefühl, wofür die ESA Technologien entwickelt hat, um die Feinsteuerung von Bewegungen auch über große Entfernungen zu ermöglichen. Die Gegenstände, die der von Mogensen gesteuerte Roboter im technischen Zentrum der ESA in den Niederlanden berührte, konnte der Astronaut in seiner Umlaufbahn 400 km über der Erde und trotz der mehrere Tausend Kilometer betragenden Entfernung von dem Rover also regelrecht fühlen. Diese Technologie ist auf eine Übertragung mit langsamen und wenig zuverlässigen Netzwerken ausgelegt, so dass sie sich auch zur Steuerung von Robotern auf der Erde in Gebieten mit nur begrenzter Infrastruktur eignet, wie etwa nach einem Erdbeben.

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Mogensen testete außerdem zwei Tage lang den “SkinSuit”, einen besonders eng anliegenden Anzug, um zu prüfen, ob dieser die durch die Schwerelosigkeit bedingte Streckung der Wirbelsäule verhindert, und entnahm mikrobiologische Proben, um herauszufinden, ob er auch sauber genug bleibt, um ihn über längere Zeiträume hin anziehen zu können.

Nach der Landung

Mit Mogensen ist zum ersten Mal ein Däne in den Weltraum gestartet. Nachdem der Mogensen nach einer zehntägigen Mission zur Internationalen Raumstation ISS wieder sicher auf der Erde landete, ist er nun auf dem Weg zu seiner neuen “Zwischenheimat”: Seine erste Nacht verbringt er in der Forschungseinrichtung :envihab des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dort werden die ersten medizinischen und wissenschaftlichen Untersuchungen unmittelbar nach seiner Rückkehr aus dem All von den DLR-Medizinern durchgeführt. Nach dem deutschen Astronauten Alexander Gerst ist er somit der zweite Astronaut, der diesen “Gesundheitscheck” in Deutschland im DLR erhält.

Die Anreise für diesen “Gesundheitscheck” ist lang: Von der ISS aus ging es zunächst einmal – gemeinsam mit den Kosmonauten Gennadij Padalka und Aidyn Aimbetow – am 11. September 2015 um 23:29 Uhr (MESZ) mit der Sojuz-Kapsel in Richtung Erde. Von der Landestelle in der kasachischen Steppe ging es dann per Hubschrauber zum Flugzeug, das den 40-jährigen Dänen über Moskau nach Köln bringt. Empfangen wird er dort auch von DLR-Raumfahrtvorstand Prof. Hansjörg Dittus und ESA-Generaldirektor Prof. Jan Wörner.

Medizinische und wissenschaftliche Messungen

Zunächst wird Mogensen im DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin von den Ärzten des Flugmedizinischen Centers auf seine Gesundheit untersucht: Dazu gehören unter anderem eine Blutabnahme, ein EKG und eine eingehende klinische Untersuchung. “Wir hoffen natürlich, dass alle seine Werte in Ordnung sind und es ihm nach seinem Weltraumaufenthalt gut geht”, sagt Ärztin Dr. Indra Chaudhuri-Hahn vom DLR. Begleitet wird der dänische Astronaut dabei von seinem “Flight Surgeon” und DLR-Arzt Dr. Ulrich Straube, der ihn auch bereits in Kasachstan in Empfang genommen hat.

Für die ersten wissenschaftlichen Auswertungen wird dem Astronauten noch am Abend seiner Rückkehr ein kleines Stück Muskel am Unterschenkel entnommen. “Selbst bei einem Aufenthalt von nur zehn Tagen in der Schwerelosigkeit verlieren die Muskeln einige Prozent an Kraft und Volumen”, schätzt Peter Gauger vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin, der die wissenschaftlichen Untersuchungen koordiniert. Zu den Experimenten der folgenden Tage gehört deshalb auch etwa die Messung der Knochendichte von Oberschenkel und Wirbelsäule. Der Aufenthalt in der Schwerelosigkeit hat verschiedene Auswirkungen auf den Körper der Astronauten: “Das Kreislaufsystem zum Beispiel reagiert unverzüglich auf die neue Situation, wenn der Astronaut in der Schwerelosigkeit lebt und arbeitet”, sagt DLR-Wissenschaftler Peter Gauger. In den nächsten 16 Tagen werden daher noch mehrere Untersuchungen auf Andreas Mogensen zukommen.

Die rund um die Uhr tätigen Teams von der Bodenkontrolle im Columbus-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen und die Nutzerunterstützungs- und Betriebszentren (USOC) in ganz Europa werden unterdessen auch weiterhin den Betrieb des ESA-Weltraumlabors Columbus überwachen und die sechsköpfige internationale ISS-Mannschaft unterstützen. In weniger als drei Monaten wird sich bereits der nächste ESA-Astronaut, Timothy Peake, auf seine Reise in der Weltraum machen. Der Start für seine fünfmonatige Mission Principia ist auf den 15. Dezember angesetzt.

Die Bilder zeigen Andreas Mogensen bei der Landung auf der Erde, beim Empfang im :envihab und zur medizinischen Untersuchung sowie mit Prof. Hansjörg Dittus, Raumfahrtvorstand des DLR, (r.) und Jan Wörner, ESA-Generaldirektor, bei der Begrüßung des dänischen Astronauten am Köln-Bonner Flughafen.