Neosat: Vorstoß zur Stärkung der Satelliten-Technologie in Europa

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Die ESA bereitet den Weg für Neosat, die Telekommunikationssatellitenplattform der nächsten Generation, die binnen fünf Jahren zum ersten Mal zum Einsatz kommen soll. Erklärtes Ziel ist es, durch Innovation und größere Effizienz den europäischen Satellitenherstellern im Zeitraum 2018 – 2030 mindestens die Hälfte des weltweiten Satellitenkommunikationsmarkts mit einem voraussichtlichen Umsatz von etwa 25 Mrd. Euro zu sichern.

Der Vertrag über die Phase B von Neosat wurde in der ESA-Hauptverwaltung in Paris von der ESA-Direktorin für Telekommunikation und integrierte Anwendungen, Magali Vaissière, und den Hauptauftragnehmern Airbus Defence and Space sowie Thales Alenia Space, vertreten durch Eric Béranger bzw. Bertrand Maureau, unterzeichnet.

Konsortium für Kernmarkt Satellitenkommunikation bilden

Die ESA-Direktorin zeigte sich zuversichtlich: "Neosat wird mit Blick auf das kommende Jahrzehnt die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Satellitenindustrie und Europas Position auf dem Kernmarkt für Satellitenkommunikation ausbauen. Für die europäischen Zulieferfirmen bietet sich hier eine einmalige Gelegenheit, denn 80 Prozent der Komponenten für die europäische Satellitenplattform werden in den ESA-Mitgliedstaaten beschafft, was diesen Firmen Aufträge in Höhe von sieben Mrd. Euro bescheren wird."

Der heute unterzeichnete Vertrag bildet den Rahmen für die Auswahl der Gerätezulieferer für die Produktlinien von Neosat. Auf der Grundlage zuvor vereinbarter, einheitlicher Anforderungen werden die beiden Ko-Hauptauftragnehmer die Angebote der konkurrierenden Zulieferer für die Plattformkomponenten einholen. Die Gewinner der Ausschreibungen werden in ein industrielles Konsortium aufgenommen, das die beiden Plattform-Produktlinien, die eine unter der Leitung von Airbus Defence and Space, die andere unter der von Thales Alenia Space, entwickeln wird.

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In der nun beginnenden Projektphase sind fachübergreifende Arbeiten zur Festlegung der technischen Grundlagen der neuen Plattformen vorgesehen, an denen Unterauftragnehmer aus Großbritannien, Schweden, der Schweiz und Luxemburg beteiligt sind. Zu den Technologien, die für die künftige Plattformen getestet werden sollen, gehören die Bahnanhebung per elektrischen Antrieb, neue Konzepte für die Temperaturkontrolle und Batteriezellen der nächsten Generation.

Die Hauptauftragnehmer von Neosat sind in Frankreich und Großbritannien angesiedelt, die beide zu den Hauptbeitragszahlern für Neosat gehören. Die Dauer des Vertrags über die Phase B wird voraussichtlich etwa 13 Monate betragen. Die anschließende Phase C/D, in der die ersten beiden Flugmodellprototypen der Plattformen entwickelt und gefertigt werden, soll 2015 in Angriff genommen werden, gefolgt von einem Start ca. 2018 oder 2019 sowie der Flugerprobung, wofür als Rahmen eine öffentlich-private Partnerschaft mit Satellitenbetreibern vorgesehen ist.

Neosat: Erprobung auch mit rein elektrischem Satellitenantrieb

Neosat ist ein Programmteil des ARTES-Programms der ESA für fortgeschrittene Forschung zu Telekommunikationssystemen, mit dem für den Kernmarkt der Satellitenkommunikation Satellitenplattformen der nächsten Generation entwickelt, qualifiziert und in der Umlaufbahn erprobt werden sollen.

Zu den wichtigsten Zielen von Neosat gehört die Senkung der Kosten von Satelliten in der Umlaufbahn, die bis zum Ende dieses Jahrzehnts im Vergleich zu den heutigen Satellitentypen um 30 Prozent verringert werden sollen. Bereits bestehende und neue Technologien werden auf innovative Weise eingesetzt, wobei durch die Schaffung einer gemeinsamen Lieferkette für beide Satellitenhauptauftragnehmer Einsparungen durch Produktionssteigerung erzielt werden sollen.

Neosat wird optimal auf elektrischen Antrieb ausgelegt, der sowohl für die Anhebung des Satelliten auf seine endgültige Einsatzbahn nach Abtrennung von der Trägerrakete als auch für dessen Lageregelung genutzt werden soll. Solche Elektrischen Triebwerke benötigen für vergleichbare Flugmanöver erheblich weniger Treibstoff als herkömmliche Antriebe. Die Neosat-Produktlinien sehen als Antriebsoptionen rein elektrische, hybride elektrisch-chemische und rein chemische Antriebe vor.

Die hybriden und rein chemischen Antriebe bieten dem Telekommunikationsbetreiber mehr Flexibilität, um z. B. mit chemischem Antrieb schneller auf eine höhere Umlaufbahn zu gelangen, was mit einem rein elektrischen Antrieb mehrere Monate in Anspruch nehmen könnte.

Neosat ist ein Kooperationsvorhaben der ESA und der französischen Raumfahrtagentur CNES, das unter der Leitung eines gemeinsamen ESA/CNES-Teams steht.