Schüler mit Funkkontakt zu Astronauten in Raumstation

Ein lautes Rauschen schallt am 01. September 2014 um 15:12 Uhr durch den Saal des Gymnasium Siegburg Alleestraße (GSA). Erste Funkwellen erreichen von der Internationalen Raumstation aus die Erde – besser gesagt die Antenne am Dach der Schule. Erste Rufzeichen des deutschen Astronauten Alexander Gerst sorgen für kollektives Aufatmen in der Aula des GSA.

Eine bunt gemischte Schülergruppe hat im Rahmen des Amateur Radio on the International Space Station (ARISS)-Projekts per Funk mit dem Astronauten Kontakt aufgenommen – und er hat geantwortet. Das Raumfahrtmanagement im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterstützt das Gymnasium gemeinsam mit dem Deutschen Amateur-Radio-Club e.V. (DARC) und dem Geographischen Institut der Universität Bonn bei dem Projekt, um Schüler für Raumfahrt, Wissenschaft und Technik zu begeistern.

"Was vermisst man in der ISS am meisten?"

Sobald einmal der Kontakt steht und die Stimme von Alexander Gerst gebrochen, aber erkennbar zu hören ist, läuft unerbittlich die Uhr. Die ISS ist nur elf Minuten in Reichweite der Antennen auf dem Dach der Schule. Elf Minuten, in denen 20 wissensdurstige Schüler den deutschen Astronauten in rund 420 Kilometern über der Erde mit ihren Fragen löchern: "Was vermissen Sie am meisten auf der Erde? OVER". "Am meisten vermisse ich joggen im Sommerregen und das Grillen auf der Dachterrasse mit meiner Freundin", kommt es stark verrauscht aus den Boxen.

Auch kritischen Fragen muss sich Alexander Gerst stellen: "Haben Sie trotz Ihres Intensivtrainings manchmal noch Bedenken, etwas falsch zu machen? OVER." "Ja auf alle Fälle. Wir kontrollieren alles sehr streng nach und gehen auf Nummer sicher, um alle möglichen Fehler auszuschließen", antwortet Gerst direkt aus der ISS. Bisher habe es auch keine großen Notfälle gegeben, funkt der deutsche Astronaut nach unten.

Schon als Kind zum Mond gefunkt

Eine Frage nach der anderen schicken die Schüler in den erdnahen Orbit – und Alexander Gerst beantwortet sie mit einer gesunden Mischung aus Herzlichkeit und Routine. Kein Wunder, denn sein Großvater war Amateurfunker. Schon als Kind schickte der kleine Alexander zusammen mit dem Opa seine Botschaften per Funk rund um die Welt – und manchmal auch zum Mond. Zwei, drei Sekunden später kommen die Signale sogar zurück.

Der Mond als Spiegel, der Worte zurückwirft. Das ist spannend und hat schon damals seine Leidenschaft für die Raumfahrt geweckt. Vielleicht bereitet ihm deswegen auch die Frage des 15-jährigen Jay besondere Freude: "Wann, glauben Sie, kann man zum Mars reisen? OVER". Genau festlegen wollte sich Alexander Gerst bei dieser Frage nicht: "Später wird es uns sicher möglich sein, zum Mars zu reisen", funkt er zur Erde.

Zwar ist die ISS nicht so weit wie der Mars entfernt. Doch rast sie mit 28.000 Stundenkilometern blitzschnell um die Erde, und mit ihr rast auch die Zeit. 17 Schüler haben ihre Fragen gestellt. Dann ist die ISS schon wieder am Rande des Empfangsgebiets. Der Kontakt wird immer schwächer. Alexander Gerst entfernt sich, wird unerreichbar für die Signale der Antennen aus Siegburg. Der Kontakt bricht ab. Doch mit dem Ende des Funksignals hören die Raumfahrtaktivitäten des Gymnasiums Siegburg Alleestraße noch lange nicht auf.

Vom Weltall ins Klassenzimmer

Die Schule ist auch beim Projekt "Columbus Eye – Live-Bilder von der ISS im Schulunterricht" mit dabei. Die Schüler können unsere Erde mit den "Augen" der Internationalen Raumstation aus rund 400 Kilometern Höhe neu entdecken. Vier Videokameras außen am Columbus-Labor zeichnen fortwährend Bilder von unserem Planeten auf.

Das Projekt "Columbus Eye" vom DLR und der Universität Bonn bringt diese Live-Bilder nun in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Weltraumbehörde NASA aus dem All ins Klassenzimmer. Das Columbus-Eye-Webportal stellt die Aufnahmen außerdem Wissenschaft und Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung und bietet Informationen zur ISS und Alexander Gersts Mission "Blue Dot".