ATV-Wiedereintritt wird an Bord mit Infrarotkamera gefilmt

Am Sonntag, 15. Februar, ist es soweit: Das fünfte und letzte Automated Transfer Vehicle (ATV) wird nach dem Abdocken von der Internationalen Raumstation ISS wieder in die Atmosphäre der Erde eintreten und auseinanderbrechen. Und eine Spezialkamera soll das Ende des europäischen Raumtransporters ATV-5 “Georges Lemaître” filmen. Die im Auftrag der europäischen Weltraumagentur ESA von der Ruag Space gebaute Spezialkamera, die so genannte ATV Breakup Camera wird den Wiedereintrittdokumentieren. Dies soll Daten liefern, die Aufschluss darüber geben, was beim Auseinanderbrechen eines großen Raumfahrzeugs genau geschieht

Dieses Wissen wird dazu beitragen, Weltraumschrott zu vermeiden sowie Satelliten und andere Raumfahrzeuge so zu konstruieren, dass sie am Ende ihrer Lebensdauer beim Wiedereintritt in die Atmosphäre vollständig verglühen, ohne dass eine Gefahr für die Menschen auf der Erde entsteht.

Infrarotkamera zeigt Hitzeentwicklung beim Wiedereintritt

Der Raumtransporter Georges Lemaître ist seit August vergangenen Jahres an die Raumstation angedockt. Er hat die Astronauten an Bord der ISS mit Nahrung, Wasser, Sauerstoff und wissenschaftlichen Experimenten versorgt. Mit dem Schub seiner bordeigenen Triebwerke hat das ATV die Raumstation in den vergangenen Monaten mehrfach angehoben. Ohne solchen zusätzlichen Schub würde die ISS mit der Zeit immer tiefer sinken und schließlich wieder zurück zur Erde fallen. Am Ende seiner Mission wird “Georges Lemaître” nun zur kosmischen Müllverbrennungsanlage: Die Astronauten laden ihre Abfälle in das ATV, bevor es abdockt und beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht.

Die ATV Breakup Camera ist als Fracht an Bord von Georges Lemaître mit zur ISS geflogen. Inzwischen hat die Crew der ISS die Kamera im Frachtraum des ATV installiert und einsatzbereit gemacht. Wenn der Raumfrachter seine letzte Reise antritt, wird die Infrarotkamera aufzeichnen, wie sich das Innere des Raumtransporters beim Wiedereintritt erhitzt, bevor er aufgrund der Reibungshitze und des Luftwiderstands auseinanderbricht und verglüht.

Daten kommen per E-Mail aus dem All

Die Bilder der Infrarotkamera werden über Kabel laufend an die dazugehörende Kommunikationseinheit übermittelt und komprimiert. Die Kamera selbst wird durch die hohen Temperaturen beim Wiedereintritt zerstört. Die Kommunikationseinheit hingegen wird von einer kugelförmigen Ummantelung aus Keramik vor der großen Hitze geschützt und bleibt auch nach der Zerstörung des ATV intakt, bis sie schließlich in den Südpazifik fällt.

Während ihres Falls durch die Atmosphäre wird die Kommunikationseinheit rund drei Minuten lang Videodaten an die Satelliten des Mobilkommunikationsnetzwerks Iridium übermitteln. Die Iridium-Satelliten werden die Datenpakete dann bequem per E- Mail an die Ruag Space und die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich übermitteln. Die Auswertung übernimmt die ETH in Zusammenarbeit mit der Ruag Space.

Erfolgreiches Ende einer europäischen Mission

Ruag Space hat maßgeblich zu den Erfolgen des ATV-Programms beigetragen: Das Raumfahrtunternehmen hat die Strukturen für die Antriebsmodule der Weltraumfrachter entwickelt und gebaut. Diese komplexen Aluminiumstrukturen waren sozusagen das Rückgrat, auf dem die ATVs aufgebaut waren. Daneben war die Ruag Space auch für die Herstellung der Nutzlastschränke in den ATVs, den so genannten Cargo Racks, verantwortlich. Die schwedische Tochtergesellschaft Ruag Space AB lieferte Computer, die Monitoring and Safing Units, für die Raumfrachter. Diese hoch zuverlässigen Computer überwachten die Sicherheit der autonomen Andockmanöver.

Mit dem Wiedereintritt von Georges Lemaître findet die Erfolgsgeschichte der europäischen ATV-Raumtransporter ihren Abschluss. Insgesamt fünf mal sind die Weltraumfrachter autonom zur ISS geflogen und haben dabei mehr als 30 Tonnen Fracht zur Raumstation befördert. Weitere ATV-Flüge sind nicht geplant. Stattdessen beteiligt sich die Europäische Weltraumagentur ESA nun am US-amerikanischen Orion Multi Purpose Crew Vehicle (MPCV).