Airliner-Vertretung BARIG: Testen statt pauschaler Quarantäne

(Foto: BARIG)
(Foto: BARIG)

Anlässlich des Luftverkehrsgipfels mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Vertretern der Bundesregierung am vergangenen Freitag fordert BARIG, der Bundesverband der in Deutschland tätigen Fluggesellschaften, die Umsetzung zielführender Maßnahmen, die der gesamten Luftverkehrsbranche in der Bundesrepublik zugutekommen – und damit auch der Wirtschaft und dem Tourismus, dem Erhalt von Arbeitsplätzen, der Mobilität, dem Handel und nicht zuletzt den Menschen selbst. Aus Sicht von Michael Hoppe, dem Vorsitzenden und Generalsekretär des BARIG, der an dem hochrangigen Treffen teilnahm, sind in der gegenwärtigen Situation drei Punkte besonders wichtig:

1. Testen statt Quarantäne und Schaffung von sicheren Reisekorridoren

BARIG fordert von der Bundesregierung eine dringende Anpassung der Teststrategie im grenzüberschreitenden einschließlich des interkontinentalen Luftverkehrs. Anstatt die Reisenden präventiv in eine ressourcenintensive Quarantäne zu schicken, könnte auf inzwischen sehr zuverlässige Schnelltests vor der Reise gesetzt werden. Mit Hilfe solcher Schnelltests wären Reisekorridore möglich, bei denen Reisende keine weiteren Quarantänepflichten oder Restriktionen einhalten müssten.

International gibt es bereits erfolgsversprechende Teststrecken, so von Wien nach Berlin und von San Francisco nach Hawaii sowie demnächst von New York/Newark nach London Heathrow und zwischen Singapur und Hongkong. BARIG sieht hier großes Potenzial für weitere sichere Reisekorridore zwischen deutschen Flughäfen und zahlreichen wichtigen Wirtschaftsmetropolen im Ausland.

2. Vertrauen schaffen mit klarer und sachgerechter Kommunikation

Aktuell glauben viele Menschen, dass sie einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt wären, wenn sie ein Flugzeug betreten. Unabhängige Studien verschiedenster, einschlägiger Institutionen, wie beispielsweise der Harvard T.H. Chan School of Public Health oder des U.S. Verteidigungsministeriums durch das U.S. Transportation Command (TRANSCOM), haben zwischenzeitlich bewiesen, dass die zahlreichen von der Branche ergriffenen Maßnahmen (Maskenpflicht, HEPA-Luftfilter in Flugzeugen, Luftzirkulation, intensivierte Reinigungsroutinen und vieles mehr) Sicherheit herstellen.

Klare Erkenntnisse der IATA zeigen, dass zwischen Januar und August 2020 bei 27 Millionen Passagieren nur ein Fluggast auffiel, der sich auf seiner Reise von Flughafen zu Flughafen eventuell mit Covid-19 angesteckt haben könnte. Das Risiko einer Ansteckung ist damit, statistisch gesehen, geringer als von einem Blitz getroffen zu werden. Fliegen ist in der heutigen Zeit ein gesundheitssicheres Verkehrsmittel. Entsprechend muss sachgerecht und differenziert berichtet werden, wenn es um mögliche Infektionsgefahren und -ketten im grenzüberschreitenden Reiseverkehr geht. Auch die entsprechenden Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts über die tatsächliche Herkunft der „Infektions- oder Einschlepprisiken“ in diesem Zusammenhang müssen berücksichtigt werden.

3. Politik soll die Luftverkehrsindustrie zukunftsorientiert unterstützen

Neben den kurzfristig dringend zu ergreifenden Maßnahmen, mit deren Umsetzung der Luftverkehr die Folgen der Covid-19-Pandemie überwinden will, muss für die langfristige Stabilisierung in die Zukunft gedacht und geplant werden. So darf das Luftverkehrssystem in den kommenden Jahren nicht mit massiven Zusatzkosten, die gegebenenfalls aus der derzeitigen Krise resultieren, belastet werden – sei es für die Flugsicherung, die Luftsicherheit, die Gebühren an Flughäfen oder andere Systemkosten.

Luftverkehr ist systemrelevant für Deutschland. Deshalb sind Bund und Länder aufgerufen, für die durch die Covid-19-Krise – und von der Branche unverschuldet – entstandenen Defizite schnell Lösungen zu schaffen, um die dringend notwendige Erholung und gewohnte Selbstständigkeit der Branche wiederherzustellen.