Krisenvereinbarung zwischen ver.di und Lufthansa erfolgreich

ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft

In den Tarifverhandlungen zwischen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Deutschen Lufthansa AG konnte gestern (10. November 2020) ein Ergebnis erzielt werden. Die Vereinbarung für die ca. 35.000 Beschäftigten am Boden steht unter dem Vorbehalt einer Mitgliederbefragung.

“Wir haben nach zähen Verhandlungen ein erstes Ergebnis erreicht, das Perspektiven bietet, wirksamen Beschäftigtenschutz sicherstellt und Lufthansa 200 Millionen Euro an Beiträgen, die die Beschäftigten tragen, in die Kasse spült. Jetzt muss die Lufthansa mit diesem Kredit der Beschäftigten verantwortungsvoll umgehen”, betont die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit bis 31. Dezember 2021.

Schutz vor Entlassungen bis Ende März 2022

Die Vereinbarung schützt vor Entlassungen bis Ende März 2022 und regelt verbindlichen Beschäftigungsschutz. Darüber hinaus wurden obligate Programme zur Altersteilzeit vereinbart. Weitergehende Freiwilligenprogramme zum sozialverträglichen Personalabbau werden ebenfalls angeführt.

Demgegenüber stehen Beiträge der Beschäftigten in Höhe von über 200 Millionen Euro. Diese umfassen die Streichung des Weihnachtsgeldes in 2020 und 2021 sowie des Urlaubsgeldes in 2021 inklusive Zuschlägen und einen Verzicht auf Erhöhung der Vergütung bis Ende 2021. Sollte es nach Ablauf der Vereinbarung zu Entlassungen kommen, erhalten die Betroffenen diese Krisenbeiträge bis Ende 2022 über 12 Monate rückerstattet.

Aufstockung zum Kurzarbeitergeld

Auch die Aufstockung zum Kurzarbeitergeld wird von 90 Prozent auf 87 Prozent abgesenkt. Die Vereinbarung umfasst dabei aber gleichzeitig auch eine Ausweitung des tariflichen Schutzes zur Aufstockung des Kurzarbeitergeldes für ca. 6.000 Beschäftigte, denen zuvor der Rückfall auf den gesetzlichen Satz drohte.

“In dieser schwierigen Situation für das Unternehmen waren die Beschäftigten immer bereit, ihren Beitrag zur Sanierung der Lufthansa zu leisten. Eine ausgewogene Lösung zum Krisenbeitrag zu erzielen und Zukunftsperspektiven zu eröffnen, war ihnen immer wichtig”, so Behle. “Jetzt werden die Mitglieder darüber abstimmen, ob die von Lufthansa gebotene Sicherheit in Bezug auf ihre Beiträge angemessen ist.”

Rücknahme der Kündigung

In den vergangenen Monaten hatte die Kündigung von langjährig Beschäftigten in Altersteilzeit an dezentralen Stationen durch die Lufthansa für starke Kritik gesorgt. Diesen Beschäftigten an den Stationen außerhalb der Standorte Frankfurt und München wird im Rahmen dieser Vereinbarung die Rücknahme der Kündigung angeboten werden.

Die Tarifparteien hatten in über 20 Verhandlungsrunden um ein Ergebnis gerungen. Lufthansa hatte zeitweise einseitig den Verhandlungstisch verlassen und war erst nach der Aufforderung, soziale Verantwortung zu übernehmen, zurückgekehrt.