Zukunft des Flughafen Lübeck: Wachstum, Business, Flugzeugbau

Mit dem Engagement des Frankfurter Geschäftsmanns Dr. Mohamad Rady Amar (59) und dem Verkauf des Lübecker Airports an seine Yasmina Flughafenmanagement GmbH gibt es wieder eine Zukunftsperspektive für den neben Sylt einzigen Verkehrsflughafen in Schleswig-Holstein. Auch Flugzeugproduktion soll hier angesiedelt werden. Insgesamt sollen rund 20 Millionen Euro investiert werden.

Für Mohamad Rady Amar ist die Lage des Airports ist schon ideal. Dort sei ein großes Potenzial, die Stadt habe bereits sehr viel investiert. Der Flughafen werde auf jeden Fall ein neues, modernes Terminal erhalten. Dazu gehört ebenfalls die Modernisierung der gesamten technischen Infrastruktur. Wichtig sei auch die Modernisierung der Entwässerung. Weiterhin sind ein Hotel und Konferenzflächen vorgesehen und eine neue Cargo-Halle sowie ein Wartungshangar für eigene Aquila-Flugzeuge und fremde Sport- und Kleinflugzeuge.

Gespräche mit neuen Fluglienien – Ziele in Nordafrika im Fokus

Das Wichtigste jedoch ist, neue Fluglinien nach Lübeck zu holen. All diese Projekte laufen parallel. Wenn das Oberverwaltungsgericht Schleswig bald grünes Licht für den Flughafenausbau gibt, könne man noch 2013 starten. Das neue Terminal und die verschiedenen Modernisierungsmaßnahmen stehen aber als Erstes an.

Für Amar verstehe es sich von selbst, dass eine neue Luftverkehrsgesellschaft in und für Lübeck mehr als willkommen ist. Die einzelnen Projekte haben aber mit der Flughafengesellschaft nichts zu tun, es handelt sich um andere Firmen, die ebenfalls Interesse haben, in Lübeck einen Stützpunkt für eine Airline einzurichten. Es gebe Gespräche mit Investoren, die sich für Lübeck als Basis für eine Airline interessieren. Amar geht davon aus, dass der Flugverkehr noch dieses Jahr aufgenommen werden kann. Dann soll als erste Verbindung der Flughafen München angeflogen werden. Auch eine Verbindung nach Ägypten ist in Planung.

Amar: Im Gespräch sind wir über Verbindungen von Lübeck in die ägyptischen Städte Hurghada und Scharm El-Scheich. Auch für Lübeck–Casablanca stehen wir in Verhandlungen. Weiterhin gibt es Gespräche mit Fluglinien, die von Lübeck aus die Türkei anfliegen könnten, ab Ende März wird ja Antalya bereits zweimal die Woche nonstop von Lübeck aus angeflogen.

Stärkung des Business-Segments durch Konferenz-Zentrum

Die Zielgruppe der Geschäftsreisenden ist dabei sehr wichtig. Noch 2013 soll eine Direktverbindung nach München eingrichtet werden. Auch Frankfurt wird geprüft. Das Gesamtkonzept beinhaltet auch die Entwicklung eines internationalen Business-Zentrums rund um den Flughafen mit Hotels und Konferenzflächen. Arabische Wirtschaftskammern sollen am Flughafen Büros einrichten; ebenso sollen sich deutsche und ausländische Firmen ansiedeln.

Amar will sich dabei auf den Nahen Osten konzentrieren, aber auch Russland, die Schweiz und auch Österreich sind zum Beispiel interessant. Ein wichtiges Segment ist der Gesundheitstourismus, aber es sollen auch ganz allgemein Urlaubsreisenden aus diesen Gegenden gute Verbindungen nach Norddeutschland bieten.

Mit Hamburg hofft Amar dabei auf eine sehr positive Kooperation. Von Hamburg aus gibt es zum Beispiel keinen Flug nach Kairo. Das kann Lübeck übernehmen. Mit Hamburg gebe es keine Konkurrenz.

Ansiedlung von Flugzeugproduktion – FFA Bravo

Amar plant auch eine Produktionsstätte für die Herstellung von einmotorigen Trainingsflugzeugen vom Typ FFA Bravo. Die Firma Aquila, deren Geschäftsführer Amar ist, stellt solche Flugzeuge bereits in Brandenburg her – sie soll künftig auch in Lübeck produzieren. Amar rechnet damit, durch die Produktionsstätte rund 50 bis 60 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das ist schon sehr konkret, die Planungen laufen.

Der Flughafenbetreiber strebt an, in etwa drei bis fünf Jahren schwarze Zahlen zu schreiben. Dafür muss aber noch viel getan werden – schwarze Zahlen erreiche man nur mit klugen Investitionen und großer Anstrengung. Aber der Wille, die Möglichkeiten und die finanzielle Basis dafür seien vorhanden.

Amar ist sich sicher, dass die Menschen in der Region stolz sein werden auf ihren Flughafen. In ca. 15 Jahren wird er einen ganz anderen Standard als heute haben und das Passagiervolumen wird deutlich höher liegen. Der Flughafen Lübeck werde bis dahin seinen Platz als internationaler Flughafen gefunden haben.