Kamera soll Verglühen des letzten ATV filmen – Keramikhülle als Schutz

Der europäische Raumtransporter ATV-5 "Georges Lemaître" ist startklar für seinen Flug zur Internationalen Raumstation ISS. Eine Ariane-5-Rakete soll das ATV (Automated Transfer Vehicle) am 25. Juli ins All bringen. Für den letzten der insgesamt fünf europäischen Raumtransporter hat die Ruag nicht nur zahlreiche Baugruppen geliefert, sondern auch eine Kamera, die den Wiedereintritt des ATV in die Atmosphäre aufnehmen wird.

Eine spezielle Version der europäischen Trägerrakete Ariane 5 wird "Georges Lemaître" in den Weltraum bringen. Am 12. August soll "Georges Lemaître" vollautomatisch am russischen Swesda-Modul der ISS andocken. Der unbemannte Raumtransporter wird insgesamt 6,6 Tonnen Fracht zur Raumstation bringen. Er liefert wissenschaftliche Ausrüstung und Treibstoff für die Station, aber auch Nahrung und Wasser für die Astronauten an Bord der ISS.

Etwa ein halbes Jahr bleibt Georges Lemaître an die ISS angedockt. Der Raumtransporter dient in dieser Zeit nicht nur als Warenlager, mit seinen Triebwerken sorgt er auch dafür, dass die Raumstation, die mit der Zeit langsamer wird und absinkt, wieder beschleunigt und in eine höhere Umlaufbahn gehoben wird. Am Ende seiner Lebensdauer wird "Georges Lemaître" dann zur kosmischen Müllverbrennungsanlage: Die Astronauten laden Ihre Abfälle in das ATV bevor es abdockt und beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht.

Kamera filmt Verglühen des ATV – Sendung über Iridium-Satelliten

Diesen Wiedereintritt wird eine von der Ruag Space gebaute Infrarotkamera aufzeichnen. Die so genannte ATV Breakup Camera soll dokumentieren, wie sich die innere Struktur des ATV erhitzt, bevor der Raumtransporter aufgrund der Reibungshitze und des Luftwiderstands auseinanderbricht und verglüht. Die Kamera übermittelt ihre Aufnahmen solange an eine Kommunikationseinheit bis sie selbst beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zerstört wird.

Die Kommunikationseinheit wird von einer kugelförmigen Ummantelung aus Keramik vor der großen Hitze geschützt. Bevor die Keramikkugel ins Meer fällt, übermittelt sie die Videoaufnahmen über die Kommunikationssatelliten des Iridium-Netzwerkes zur Erde. Die Auswertung übernimmt die Ruag Space in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich.

Die Videoaufnahmen sollen Aufschluss darüber geben, was beim Auseinanderbrechen eines großen Raumfahrzeugs genau geschieht. Dieses Wissen wird dabei helfen, auch große Satelliten und Raumfahrzeuge so zu bauen, dass sie am Ende ihrer Lebensdauer beim Wiedereintritt in die Atmosphäre vollständig verglühen.

Computer und Strukturen von der Schweizer Ruag Space

Auch bei der Entwicklung und beim Bau des ATV hat die Ruag Space eine zentrale Rolle gespielt: Das Raumfahrtunternehmen hat die Struktur für das Antriebsmodul des Weltraumfrachters entwickelt und gebaut. Diese komplexe Aluminiumstruktur ist sozusagen das Rückgrat, auf dem das ATV aufgebaut ist.

Neben der Struktur ist die Ruag Space auch für die Herstellung von acht Nutzlastschränken, so genannten Cargo Racks, verantwortlich. Die schwedische Tochtergesellschaft Ruag Space AB hat einen Computer, die genannte Monitoring and Safing Unit, für das ATV geliefert. Dieser hoch zuverlässige Computer überwacht die Sicherheit des autonomen Andockmanövers.