Airbus Group mit Umsatzrückgang

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Die von der Airbus Group SE veröffentlichten Ergebnisse für die ersten neun Monate dieses Jahres sind geprägt vom aktuellen Hochlauf und der Umstellung von derzeitigen auf neue Flugzeugmodelle (NEO). Der Auftragseingang1 der Airbus Group belief sich in den ersten neun Monaten 2016 auf € 73,2 Mrd. (9M 2015: € 111,9 Mrd.). Der Auftragsbestand1 lag zum 30. September 2016 bei insgesamt € 986 Mrd. (Jahresende 2015: € 1.006 Mrd.). Airbus verbuchte 380 Nettobestellungen für Zivilflugzeuge (9M 2015: 815 Nettobestellungen) und 566 Bruttobestellungen, darunter 35 A350 XWB und 14 A330neo.

“Wie erwartet, spiegeln die Neunmonatsergebnisse den stark auf das vierte Quartal des Geschäftsjahres konzentrierten Auslieferungsplan wider, sowie den weiteren Produktionshochlauf und die Umstellung auf die neuen Versionen unserer Modelle A320 und A330”, sagte Tom Enders, Chief Executive Officer der Airbus Group. “In den verbleibenden Monaten bis zum Jahresende konzentrieren wir uns voll und ganz auf die Auslieferungen, um unsere Gewinn- und Liquiditätsprognosen zu erfüllen. Das wirtschaftliche Umfeld ist weiterhin recht robust: Der Auftragsbestand von mehr als 6.700 Flugzeugen stützt unsere Produktionspläne und unterstreicht die Stärke unseres Produktportfolios. Die kürzlich beschlossene weitere Integration des Konzerns wird die Führungsstruktur des Unternehmens vereinfachen und unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern.”

Produktionsziel erreichen

Allein im dritten Quartal wurden 250 Bruttobestellungen für die A320neo-Familie mit neuer Triebwerksoption (“new engine option”) verzeichnet. Airbus Helicopters erhielt 211 Nettobestellungen (9M 2015: 181 Nettobestellungen), darunter 47 H145 und 42 H135. Im August gab Kuwait eine Vereinbarung über die Beschaffung von 30 Hubschraubern des Typs H225M Caracal bekannt. Defence and Space verzeichnete vor allem im Raumfahrtgeschäft einen starken Auftragseingang. Zudem wurde mit den Niederlanden und Luxemburg die Beschaffung von zwei A330-MRTT-Flugzeugen vereinbart.

Der Umsatz des Konzerns lag stabil bei € 42,7 Mrd. (9M 2015: € 43,0 Mrd.). Der Umsatz von Commercial Aircraft spiegelte das gestiegene Volumen in den Programmen A350 und A320 sowie einen Rückgang bei der A330 wider. Positiv wirkte sich das günstigere US-Dollarumfeld aus. Insgesamt wurden 462 Zivilflugzeuge ausgeliefert (9M 2015: 446 Flugzeuge).

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Umsatzrückgang bei Hubschraubern

Bei Helicopters sank der Umsatz um drei Prozent, trotz des Anstiegs der Auslieferungen auf 258 Hubschrauber (9M 2015: 237 Maschinen). Grund hierfür waren der größere Anteil leichter Hubschrauber und ein geringeres Flugstundenvolumen im kommerziellen Servicegeschäft.

Der Umsatz von Airbus Defence and Space sank um 8 Prozent, was insbesondere auf einen negativen Einfluss in Höhe von rund € -450 Mio. als Folge des durch die Portfolioanpassung veränderten Konsolidierungskreises zurückzuführen ist. Auf vergleichbarer Basis blieb der Umsatz jedoch im Großen und Ganzen stabil. In den ersten neun Monaten 2016 wurden elf A400M-Militärtransporter ausgeliefert.

Das Konzern-EBIT* vor Einmaleffekten3 – die Kennzahl zur Erfassung der operativen Gewinnspanne ohne Berücksichtigung von Einmaleffekten aus Rückstellungsveränderungen für Programme und Restrukturierungen oder Währungsschwankungen – belief sich auf € 2.415 Mio. (9M 2015: € 2.804 Mio.).

Das EBIT* vor Einmaleffekten von Airbus Commercial belief sich auf € 1.838 Mio. (9M 2015: € 2.226 Mio.). Geringere A330-Auslieferungen, der Auslieferungsplan mit Schwerpunkt im vierten Quartal und der Preis in der Umstellungsphase der A320/A330-Fertigung sowie erhöhte Kosten für den Produktionshochlauf wurden teilweise durch geringere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung kompensiert.

Kosten beim A350-Hochlauf

Im A350-Programm wurden in den ersten neun Monaten 26 Flugzeuge ausgeliefert, davon 14 allein im dritten Quartal. Beim Risikomanagement wurden über den Sommer hinweg gute Fortschritte erzielt: In der Endmontagelinie wurde der Umfang der noch ausstehenden Arbeiten reduziert. In der Lieferkette hingegen bestehen weiterhin Herausforderungen; die Arbeiten zur Annäherung der laufenden Kosten an die Zielvorgaben während des Hochlaufs werden fortgesetzt. Mit Blick auf das Erreichen des A350-Auslieferungsziels bleibt der Fokus des Unternehmens weiterhin auf diese kurzfristigen Herausforderungen gerichtet.

Von Januar bis Ende September 2016 wurden insgesamt 24 A320neo an Kunden übergeben; im dritten Quartal wurde das erste mit CFM-Triebwerken ausgestattete Flugzeug ausgeliefert. Die anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Triebwerk von Pratt & Whitney (P&W) sind mittlerweile weitgehend bewältigt. Allerdings steht der Triebwerkshersteller noch vor einigen Herausforderungen, was den industriellen Hochlauf betrifft. Dadurch gerät der Auslieferungsplan mit Schwerpunkt im 4. Quartal weiter unter Druck. Beide Triebwerkshersteller haben sich verbindlich zur Einhaltung des NEO-Zeitplans verpflichtet, und die Flugzeugzellenproduktion ist auf gutem Kurs für eine termingerechte Auslieferung an die Kunden.

Airbus Helicopters verzeichnete ein EBIT* vor Einmaleffekten von € 200 Mio. (9M 2015: € 241 Mio.). Belastet wurde es durch einen ungünstigen Mix, ein geringeres Flugstundenvolumen im kommerziellen Servicegeschäft sowie den H225-Unfall in Norwegen und Kampagnenkosten. Gestützt wird die Ergebnisentwicklung bei Helicopters hingegen weiterhin durch laufende Transformationsmaßnahmen und Anstrengungen zur Anpassung an die Herausforderungen des Marktes.

Verteidigungssparte

Das EBIT* vor Einmaleffekten von Defence and Space belief sich auf der Grundlage des durch die Portfolioanpassung veränderten Konsolidierungskreises auf € 440 Mio. (9M 2015: € 431 Mio.). Bezogen auf einen vergleichbaren Konsolidierungskreis profitierte das EBIT* vor Einmaleffekten von einem besseren Auftragsmix, Risikominimierung sowie den in der Division durchgeführten Restrukturierungsmaßnahmen.

Das A400M-Programm erzielt auf industrieller Seite Fortschritte, was den Fähigkeitsausbau und die Programm-Führung angeht. Allerdings bleibt die Programmsituation allgemein weiterhin herausfordernd. Die A400M-Flotte hat seit ihrer Indienststellung nunmehr 10.000 Flugstunden absolviert. Geschäftsverhandlungen mit der OCCAR und den Kundennationen bezüglich des überarbeiteten Lieferplans und damit verbundenen Auswirkungen stehen noch aus. Derzeit lässt sich nicht belastbar einschätzen, wie das Ergebnis dieser Verhandlungen ausfallen wird.

Die Aufwendungen des Konzerns für eigenfinanzierte Forschung und Entwicklung sanken auf € 2.015 Mio. (9M 2015: € 2.287 Mio.).

Das berichtete EBIT*3 von € 2.363 Mio. (9M 2015: € 2.946 Mio.) beinhaltete Netto-Einmaleffekte in Höhe von € -52 Mio. In den ersten neun Monaten des Jahres 2016 umfasste es eine Negativwirkung in Höhe von € 723 Mio. aufgrund der Differenz von Dollar-Zu- und ‑Abflüssen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und aufgrund bilanzieller Neubewertungen, während insbesondere aufgrund von Portfoliobereinigungen bei Defence and Space ein Gesamt-Nettoveräußerungsgewinn von € 75 Mio. verbucht wurde. Alle weiteren Einmaleffekte blieben im Vergleich zu den Ergebnissen des ersten Halbjahres 2016 unverändert.

Das Konzernergebnis4 belief sich auf € 1.811 Mio. (9M 2015: € 1.900 Mio.), der Gewinn je Aktie auf € 2,34 (9M 2015: € 2,42). Das Finanzergebnis lag bei € -342 Mio. (9M 2015: € -536 Mio.).

Der Free Cash Flow vor Fusionen und Übernahmen belief sich auf € -4.729 Mio. (9M 2015: € -1.751 Mio.). Er spiegelt Programminvestitionen für die Auslieferungen im vierten Quartal 2016 wider, sowie den weiteren Produktionshochlauf 2017, insbesondere in den Programmen A320 und A350. Der Free Cash Flow enthält außerdem eine erhebliche Cash-Belastung für die A400M sowie eine Belastung von rund € 500 Mio. für die Flugzeugfinanzierung, die insbesondere auf die derzeitige Aussetzung der Finanzierungsabsicherung durch Exportkreditversicherungen zurückzuführen ist. Die Airbus Group setzt die Zusammenarbeit mit den Exportkreditversicherungen bezüglich einer Wiederaufnahme der Finanzierung fort, doch angesichts der bisher erzielten Fortschritte sind Höhe und Zeitpunkt der Finanzierung ungewiss.

Der Free Cash Flow betrug € -2.649 Mio. (9M 2015: € -112 Mio.). Er beinhaltet € 1,2 Mrd. aus dem Verkauf von Anteilen an Dassault Aviation, € 750 Mio. aus der Umsetzung der zweiten Phase des Joint Ventures Airbus Safran Launchers und € 310 Mio. aus dem Verkauf des Business-Communications-Geschäfts. Die Nettoliquidität belief sich zum 30. September 2016 auf € 5,6 Mrd. (Jahresende 2015: € 10,05 Mrd.) bei einer Bruttoliquidität von € 16,9 Mrd. (Jahresende 2015: € 19,15 Mrd.).

Ausblick: Gewinnprognose und Konsolidierung

Der Ausblick der Airbus Group für das Geschäftsjahr 2016 basiert auf der Erwartung, dass Weltwirtschaft und Luftverkehr gemäß den vorherrschenden unabhängigen Prognosen wachsen. Diese beruhen auf der Prämisse, dass es zu keinen größeren Turbulenzen kommt.

Die Airbus Group behält ihre Gewinnprognose für das Jahr 2016 auf Grundlage eines gleichbleibenden Konsolidierungskreises bei. Die Airbus Group behält ihre Free-Cash-Flow-Prognose für das Jahr 2016, unter Ausklammerung der Auswirkungen aus der Flugzeugfinanzierung, auf Grundlage eines gleichbleibenden Konsolidierungskreises bei.

  • Airbus wird 2016 voraussichtlich mehr als 650 Flugzeuge ausliefern. Ein weiterer Anstieg des Auftragsbestands für Zivilflugzeuge ist zu erwarten.
  • Vor Fusionen und Übernahmen rechnet die Airbus Group im Vergleich zum Jahr 2015 mit einem stabilen EBIT* vor Einmaleffekten und einem stabilen Gewinn je Aktie* vor Einmaleffekten.
  • Die Airbus Group erwartet für 2016 einen stabilen Free Cash Flow vor Fusionen, Übernahmen und Flugzeugfinanzierung im Vergleich zu 2015.

Der im ersten Halbjahr 2016 veränderte Konsolidierungskreis bei Airbus Defence and Space wird voraussichtlich zu einem Rückgang des EBIT* vor Einmaleffekten und des Free Cash Flow vor Fusionen und Übernahmen um rund € 200 Mio. führen, beim Gewinn je Aktie* vor Einmaleffekten wird ein Rückgang um rund 20 Cent erwartet.

Airbus Group9M 20169M 2015Veränderung
Umsatz, in Mio.42.70542.965-1 Prozent
davon Verteidigung, in Mio.7.1907.476-4 Prozent
EBITDA2, in Mio.3.9364.574-14 Prozent
EBIT3 vor Einmaleffekten, in Mio.2.4152.804-14 Prozent
EBIT3, in Mio.2.3632.946-20 Prozent
Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, in Mio.2.0152.287-12 Prozent
Konzernergebnis (Net Income)4, in Mio.1.8111.900-5 Prozent
Gewinn je Aktie42,342,42-3 Prozent
Free Cash Flow (FCF), in Mio.-2.649-112
Free Cash Flow vor Fusionen & Übernahmen, in Mio.-4.729-1.751
Free Cash Flow vor Kundenfinanzierungen, in Mio.-2.1045
Auftragseingang1, in Mio.73.218111.923-35 Prozent
Airbus Group30. Sept. 201631. Dez. 2015Veränderung
Auftragsbestand1, in Mio.986.0011.005.864-2 Prozent
davon Verteidigung, in Mio.36.28738.411-6 Prozent
Nettoliquidität, in Mio.5.55310.0035-44 Prozent
Mitarbeiter132.973136.574-3 Prozent

* Die Airbus Group verwendet das EBIT vor Goodwill-Wertminderungen und außerordentlichen Posten als Schlüsselindikator für die wirtschaftliche Leistung. Der Terminus “außerordentliche Posten” bezieht sich auf Sachverhalte wie Aufwendungen aus Abschreibungen der aufgedeckten stillen Reserven aus der Gründung des ehemaligen EADS-Konzerns und dem Airbus-Unternehmenszusammenschluss sowie in diesem Zusammenhang stehende Wertminderungen aufgrund von Werthaltigkeitstests.

**bei gleichbleibendem Konsolidierungskreis

  1. Beiträge und Bestände aus dem zivilen Flugzeuggeschäft zum Auftragseingang bzw. Auftragsbestand basieren auf Listenpreisen.
  2. Gewinn vor Zinsen, Steuern, Wertminderungen, Abschreibungen und außerordentlichen Posten.
  3. Gewinn vor Zinsen und Steuern, vor Goodwill-Wertminderungen und außerordentlichen Posten.
  4. Die Airbus Group verwendet weiterhin den Begriff Konzernergebnis (Net Income). Das Konzernergebnis ist identisch mit dem Ergebnis, das den Eigentümern des Mutterunternehmens gemäß den IFRS-Regeln zusteht.
  5. Die Umgliederung bestimmter Wertpapiere ist nicht berücksichtigt.