Suche nach Lösung für Tarifkonflikt in Berlin

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Die Streiks an den Berliner Flughäfen gehen weiter: Das Bodenpersonal in Tegel und Schönefeld soll nach einem Aufruf der Gewerkschaft ver.di auch ab Dienstagfrüh bis Mittwoch um 05:00 Uhr die Arbeit niederlegen. Fluggäste werden gebeten, sich auf den Webseiten ihrer Airlines über ihren Flugstatus zu informieren. Allein am Köln Bonn Airport sind 55 Flüge (27 Abflüge/28 Ankünfte) auf der Berlin-Strecke in Köln/Bonn am Dienstag geplant, von denen 42 gestrichen sind. Auf dem regulären Flugplan des Köln Bonn Airport stehen morgen insgesamt 232 Flüge (115 Starts, 117 Landungen). Die Flughäfen weisen darauf hin, dass es über den Streikzeitraum hinaus zu Unregelmäßigkeiten kommen kann.

Am Montag sind wegen des Streiks 36 Flüge auf der Berlin-Strecke ausgefallen. 12 Flüge wurden nach Leipzig umgeleitet bzw. starteten von dort aus nach Köln/Bonn. Schon im Februar hatte das Bodenpersonal in Berlin an zwei Tagen gestreikt. Der morgige Dienstag ist bereits der fünfte Streiktag in Tegel und Schönefeld in diesem Jahr. In Köln/Bonn sind durch die Ausstände insgesamt 147 Flüge auf der Berlin-Strecke ausgefallen. Davon betroffen waren nach Schätzung des Flughafens etwa 17.500 Passagiere.

Auswirkungen für Airlines

Anlässlich des zweiten Streiks der Bodenverkehrsdienste an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld wiederholt das Board of Airline Representatives in Germany (BARIG) seine Forderungen nach verbindlichen Regelungen wie Mediations- oder Schlichtungsverfahren. Dazu BARIG Generalsekretär Michael Hoppe: “Wir sehen hier den Gesetzgeber in der Pflicht, dass er endlich die dringend benötigten Rahmenbedingungen schafft, damit Streiks im deutschen Luftverkehr wirklich nur die Ultima Ratio sind.”

Der Streik der Bodenverkehrsdienste in Berlin führt dazu, dass tausende Geschäftsleute, Urlauber und Privatreisende nicht ihr Ziel erreichen oder aufwändig umgebucht werden müssen. Gleichzeitig gelangen tausende von Waren verspätet oder nur auf Umwegen an ihr Ziel. Die Auswirkungen gehen jedoch deutlich über den Standort Berlin hinaus. Nationale und internationale Fluggesellschaften können ihre Flugzeuge nicht wie geplant einsetzen, weil diese in Berlin “gestrandet” sind und nun im Netzwerk fehlen. Die Folge sind weitere Flugabsagen. Außerdem entfallen durch den Streik in Berlin wichtige Zubringerflüge zu anderen internationalen Zielen. Dabei sind die betroffenen Fluggesellschaften gar nicht Partei in den Tarifverhandlungen. Der Streik geht erneut massiv zu Lasten Dritter: den Airlines und ihren Kunden.

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Michael Hoppe: “Die Politik muss sich endlich in vollem Umfang des hohen Stellenwertes bewusst werden, den der Luftverkehr für die gesamte Mobilitäts- und Logistikkette in Deutschland und darüber hinaus besitzt. Streikmaßnahmen wie derzeit in Berlin führen zu empfindlichen Störungen und verursachen hohe Kosten. Es ist aber nicht selbstverständlich, dass internationale Passagier- und Warenströme über Deutschland führen. Daher muss die Politik das Ihre tun, damit die Attraktivität des Luftverkehrsstandortes Deutschland bewahrt bleibt, gerade auch im Interesse der Wirtschaft und vieler tausend Arbeitsplätze.”

Arbeitgeber wollen Schlichtung

Die Bodenverkehrsdienstleister an den Flughäfen in Berlin und Brandenburg haben der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zur Lösung des aktuellen Tarifkonflikts eine Schlichtung vorgeschlagen. “Die Positionen liegen derzeit so extrem weit auseinander, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt eine Schlichtung als einzigen Weg sehen, zusammen mit der Gewerkschaft eine für beide Seiten vertretbare Lösung zu finden”, sagte ein Sprecher der Arbeitgeber am Dienstag in Berlin.

Hintergrund ist die Ablehnung des Arbeitgeberangebots in Höhe von acht Prozent im Gesamtvolumen. Die Gewerkschaft hatte dieses wirtschaftlich begründete Angebot unmittelbar nach Vorlage als nicht verhandlungsfähig zurückgewiesen. Stattdessen rief Verdi von Montagmorgen bis Mittwochmorgen zu einem neuerlichen Streik auf, der zum vierten Mal innerhalb von vier Wochen den Flugverkehr in der Hauptstadtregion erheblich beeinträchtigte.

“Permanente Streiks und verhärtete Fronten sind keinem länger zumutbar. Der Aufruf zur Schlichtung zeigt, dass die Arbeitgeber alles tun, um weitere Arbeitskämpfe zu verhindern und die Verhandlungen wieder auf einen konstruktiven Weg zu führen”, betont der Sprecher. Die Arbeitgeber appellierten an die Gewerkschaft, einer Schlichtung zuzustimmen und damit den aktuellen Tarifkonflikt zu entschärfen.