Flugsicherung: Remote Tower Center statt Flughafentower

Supervisor bei der Arbeit: Neuartige Planungssysteme sollen den Supervisor eines großen Remote Tower Centers in Zukunft unterstützen.
Supervisor bei der Arbeit: Neuartige Planungssysteme sollen den Supervisor eines großen Remote Tower Centers in Zukunft unterstützen. (© DLR)
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Flugsicherungsdienste für mehrere Flughäfen von einem Standort aus zentral zu steuern – das ermöglichen so genannte „Remote Tower Center“. Die heute an Flughäfen üblichen Tower könnten in Zukunft von Kontrollzentren ersetzt werden, an die mehrere Flughäfen zur Fernüberwachung angeschlossenen sind. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Frequentis haben Ende 2021 einen Remote-Tower-Center-Prototypen aufgebaut, von dem aus litauische und polnische Fluglotsen aus der Ferne insgesamt 15 simulierte Flughäfen überwacht haben. Der Testlauf zeigt: die breite Fernüberwachung von Flughäfen aus einem Kontrollzentrum funktioniert.

“In der Versuchskampagne haben wir neu entwickelte Planungstools für solche großen Remote Tower Center prototypisch getestet”, berichtet Jörn Jakobi vom DLR-Institut für Flugführung. “Diese Planungstools werden in diesen neuen Arbeitsumgebungen von zentraler Bedeutung sein, damit die vorhandenen Ressourcen optimal geplant und eingesetzt werden können.”

Das „Remote Tower Center“ ermöglicht eine zentrale Steuerung von Flugsicherungsdiensten für mehrere Flughäfen. (© DLR)

Ein vielversprechendes Konzept für kleinere als auch für größere Flughäfen

Anstatt einzelner weniger Fluglotsinnen und -lotsen in einem Tower, arbeitet in einem Remote Tower Center ein ganzer Pool, der je nach Bedarf flexibler eingesetzt wird. Insbesondere kleinere Flughäfen, bei denen die Nachfrage an Wochenenden und Feiertagen hoch, unter der Woche aber gering ist, können so effizienter betrieben werden. “Sinkt das Verkehrsaufkommen an mehreren Flughäfen stark ab, kann eine einzelne Fluglotsin auch mehrere Flughäfen gleichzeitig betreuen”, sagt Jakobi. Aber auch mittlere oder große Flughäfen würden von der Fernüberwachung durch ein Center profitieren. Wenn das Verkehrsaufkommen in den Stoßzeiten steigt, können Fluglotsen aus dem Pool kurzzeitig unterstützen. So ließe sich permanent eine ausgewogene Arbeitsbelastung realisieren.

Tool bewältigt die Komplexität einer effizienten Zuteilung

Die Herausforderung in einem großen Remote Tower Center besteht darin, die unterschiedlichen Flughäfen den Fluglotsinnen und-lotsen sowie den vorhandenen Arbeitsplätzen optimal zuzuweisen. “Für diese komplexe Aufgabe werden automatische Planungstools benötigt, die den Supervisor in einem Center dabei unterstützen, die passendste Arbeitsverteilung zu finden”, sagt Jakobi.

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Im Rahmen des europäischen Projekts “Digital Technologies for Tower” haben das DLR, Frequentis sowie die litauischen und polnischen Flugsicherungen “Oro Navigacija” und “PANSA” das Konzept und notwendige Planungstools für die Fernüberwachung mehrerer Flughäfen entwickelt, in Prototypen umgesetzt und getestet. Die Position des Supervisors spielt dabei eine zentrale Rolle. Diese Person überwacht und verteilt die Arbeitslast auf einzelne Lotsinnen und Lotsen und stellt sicher, dass diese nicht unter- oder überfordert sind. Das Planungstool führt verschiedene Daten zusammen, wie beispielsweise die Anzahl der ankommenden und abfliegenden Flugzeuge oder den zu erwartenden Verkehrsmix. Der Supervisor sieht die aufbereiteten Daten und hat somit einen umfassenden Überblick über die aktuelle und zukünftige Situation. Im Falle von schlecht balancierten Arbeitslasten schlägt das Werkzeug Lösungsmöglichkeiten vor. Wenn etwa bei einem Lotsen eine Überlastung droht, hilft das Planungstool dem Supervisor, eine geeignete Lotsin aus dem Pool zur Unterstützung zu finden.

Erste Rückmeldungen der teilnehmenden Lotsen zeigen die Tragfähigkeit des Konzepts. “Ich bin überzeugt, dass solche Remote Tower Center die Zukunft darstellen“, sagt Jakobi. “Sie sind die natürliche Weiterentwicklung traditioneller Tower an Flughäfen. Die Validierung hat die Machbarkeit des Konzepts gezeigt.”

Das Projekt wurde finanziert durch das SESAR Joint Undertaking im Forschungs- und Innovationsprogramm “Horizont 2020” der Europäischen Union im Rahmen der Zuschussvereinbarung Nr. 874470.