Streik der Lufthansa-Piloten Dienstag abgeblasen, Verhandlungen fortgeführt

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Die Vereinigung Cockpit wird den für Dienstag, den 16. September 2014 angekündigten Arbeitskampf bei Lufthansa nicht durchführen. Die Lufthansa-Geschäftsleitung hat der Vereinigung Cockpit heute Mittag einen veränderten Forderungskatalog zur Übergangsversorgung übermittelt. Die Tarifkommission der VC hat daraufhin noch für diese Woche Termine angeboten, um die kürzlich gescheiterten Gespräche wieder aufzunehmen. Vor diesem Hintergrund hat die VC beschlossen, die morgige Arbeitskampfmaßnahme nicht durchzuführen.

Die Vereinigung Cockpit erklärt weiterhin, dass sie jederzeit einigungsbereit ist. Ob es gelingt, die Arbeitskampfmaßnahmen dauerhaft abzuwenden, sei allerdings noch offen.

Nachdem die VC bereits Fragen und Antworten zu den strittigen Fragen der Übergangsregelung für vorzeitiges Ausscheiden der Piloten aus dem Flugdienst veröffentlicht hat, ging sie nun nochmals auf Details der letzten Entwicklungen ein.

Regelungen anderer Airlines, Position der Lufthansa

So behaupte das Management der Lufthansa laut Mdienberichten demnach, es gäbe keine andere Airline in Europa, bei der die Übergangsregeln vor dem 60. Lebensjahr beginnen. Wieso sollte das bei der Lufthansa also anders sein?

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Die Aussage ist schlichtweg falsch, wie die VC mitteilt. Beispielsweise bei der KLM könne man den Dienst nur dann über das 56. Lebensjahr weiterführen wenn man in Teilzeit arbeitet, spätestens mit dem 60. Lebensjahr sei endgültig Schluss. Auch bei British Airways könnten die Piloten mit dem 55. Lebensjahr aufhören. Solche Behauptungen entbehrten also der Grundlage und seien einer aufrichtigen Diskussion nicht dienlich.

Auch andere Branchen kennen solche Regelungen. So haben beispielsweise die Piloten der Bundeswehr die Möglichkeit vor dem Regelrentenalter auszuscheiden, Bergwerksmitarbeiter können aufgrund der spezifischen Belastungssituation ab dem 50. Lebensjahr ausscheiden.

Das Management der Lufthansa behauptet, dass die Altersversorgung nicht mehr bezahlbar sei, weil die Zinsen so gesunken sind. Erfordert das nicht zwingend eine Absenkung?

Die niedrigen Zinsen belasten zwar das Betriebsergebnis zurzeit, andererseits entlasten Sie aber auch die Kreditverpflichtungen des Unternehmens und zwar mehr als sie belasten. Anders gesagt profitiert die Lufthansa von dem niedrigen Zinsniveau unter dem Strich. Gerade erst hat Lufthansa ohne Probleme eine Anleihe über 500 Millionen Euro mit dem niedrigsten Zinssatz der je von einem DAX Unternehmen gezahlt wurde platzieren können.

Das Lufthansa Management behauptete dass Lufthansa in den letzten Jahren die Anzahl der Flugzeuge nicht mehr erhöht habe und deswegen erkennbar sei, dass man in einer Krise stecke. Ist das so?

Das ist nur die halbe Wahrheit. Richtig ist, dass zwar die Anzahl nicht zugenommen hat, aber dies auch daran lag, dass man kleinere Flugzeuge ausgemustert und gegen Größere ersetzt hat. Die Anzahl der Sitzplätze hat auch durch neue Bestuhlung vorhandener Flugzeuge zugenommen. Die Anzahl der Passagiere hat also in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Alle anderen Gruppen haben Sparbeiträge gebracht, laut Aussage des Managements nur das Cockpitpersonal nicht. Wieso?

Das ist nicht richtig. Entscheidend ist, wann man mit der Betrachtung anfängt. So hat das Cockpitpersonal schon 2010 mit 20 Prozent Kostenabsenkung bei Germanwings zu einer höheren Wettbewerbsfähigkeit beigetragen. Es ist nicht so, dass es hier einen Anfangs- und einen Endpunkt in der Betrachtungsweise gibt.

Jeder Gruppe (Cockpit, Kabine, Boden) wird bei den aktuellen Verhandlungen immer vorgehalten was in den anderen Gruppen zuvor ausgehandelt wurde und so eine Spirale der Absenkung betrieben. Die Zugeständnisse in einer Gruppe werden also der nächsten als Begründung für weitere Zugeständnisse vorgelegt.

Woher kommt der Druck zur Dividendensteigerung?

Die Vermutung liegt nah, dass dieser Druck aus der Interessenlage der Großaktionäre. Als Beispiel Blackrock, die in fast allen DAX Unternehmen mit drei bis zehn Prozent investiert sind. Die Renditeversprechen dieser Fonds an ihre Kunden liegt mitunter im oberen einstelligen Prozent Bereich und bedeutet damit eine Verdoppelung des eingesetzten Kapitals in weniger als zehn Jahren. Um solche Renditen erreichen zu können, benötigen sie entsprechende Dividenden und Gewinnsteigerungen der Unternehmen wie z.B. der Lufthansa. Betroffen durch diese immens hohen Vorgaben sind aber nicht nur die Mitarbeiter fast aller DAX Konzerne sondern auch deren Kunden.