Klimaschutz der Luftfahrt in Zeiten der Krise

Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft - BDL
Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft - BDL
Geschätzte Lesedauer: 2 Minuten

Während sich große Teile des Luftverkehrs durch die Coronapandemie in der längsten und tiefsten Krise befinden, will die deutsche Luftverkehrswirtschaft nach vorne schauen und benennt Handlungsfelder für eine nachhaltige Luftverkehrspolitik in der nächsten Legislaturperiode.

Die Branche begrüßte, dass sich Bund und Länder auf Überbrückungszuschüsse als Ausgleich für die Vorhaltekosten von Flughäfen geeinigt haben. Aber sei es noch wichtiger, zügig mit einer kontrollierbaren Teststrategie die kaum kontrollierbaren Quarantänebestimmungen zu ersetzen. Sonst bleibe die notwendige Mobilität erschwert. Damit die wirtschaftliche Stabilisierung des wichtigen Verkehrsträgers Luftfahrt aber auch nachhaltig möglich wird, hält der BDL es weiterhin für erforderlich, wettbewerbsverzerrende Maßnahmen, die zu Lasten der eigenen internationalen Luftverkehrsdrehkreuze und der hier operierenden Fluggesellschaften gehen, in der künftigen Luftverkehrspolitik abgebaut werden. Dies sei gerade deswegen erforderlich, weil in der nächsten Legislaturperiode wichtige Entscheidungen für notwendige Fortschritte beim Klimaschutz im Luftverkehr anstehen.

Luftfahrt vor Herausforderungen

BDL-Präsident Peter Gerber stellte die Vorschläge und Forderungen der Branche angesichts der aktuellen Krise am Montag in Berlin vor: “Wir unterbreiten heute konkrete Vorschläge für eine Luftverkehrspolitik, mit der sich die ökonomisch und ökologisch nachhaltige Entwicklung des Luftverkehrs stärken lässt. Unsere Vorschläge erfordern das entschlossene Handeln der Unternehmen ebenso wie der Politik. Hierbei sehen wir drei Handlungsfelder: erstens die wirtschaftliche Stabilisierung der Unternehmen und ihrer Arbeitsplätze, zweitens messbare Fortschritte beim Klimaschutz im Luftverkehr und drittens die bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Flughafeninfrastruktur. Die Handlungsfelder sind aufs Engste miteinander verknüpft. Denn wirksamer Klimaschutz lässt sich am ehesten mit wirtschaftlich gesunden Unternehmen erreichen, die über die notwendige Investitionskraft und Infrastruktur verfügen.”

Weitere Fortschritte beim Klimaschutz sieht der BDL vor allem in einem gemeinsamen Engagement von Politik, Industrie und Luftverkehrswirtschaft für das CO2-neutrale Fliegen. “Der Austausch älterer Flugzeuge durch energieeffizientere, der aufgrund der pandemiebedingt starken Verschuldung unserer Unternehmen gebremst wurde, ist das seit Jahren wirksamste Instrument, um die Treibhausgasemissionen beim Fliegen zu senken. Deswegen wollen wir zusammen mit der Politik dafür sorgen, dass die Investitionskraft für diese klimaschützenden Innovationen wieder gestärkt wird”, sagte BDL-Präsident Gerber. Neben der Flottenerneuerung sieht die Branche den Ersatz des fossilen Kerosins durch nachhaltige Flugkraftstoffe wie etwa Power-to-Liquid-Kraftstoffe (PtL) als den mittelfristig weitgehendsten Hebel für das CO2-neutrale Fliegen. Mit der PtL-Roadmap, die zurzeit zwischen Bund, Ländern, Luftfahrt und Industrie finalisiert wird, liege ein mit allen Akteuren abgestimmtes Konzept für die Markteinführung von Power-to-Liquid-Kraftstoffen vor.

- Anzeige -

Lösung aus der Wirtschaft fördern

Damit der Markthochlauf dieser deutlich teureren Kraftstoffe auch bezahlbar wird, schlägt der BDL vor, dass die Einnahmen aus der von den Fluggesellschaften zu zahlenden Luftverkehrssteuer genutzt werden, um die Mehrkosten auszugleichen. Im Hinblick auf die Instrumente einer kompensierenden CO2-Bepreisung spricht sich die Branche für die Weiterentwicklung des Europäischen Emissionshandels und des internationalen Klimaschutzinstruments CORSIA aus. Dies sei wettbewerbsneutral. Wenn diese Instrumente weiterentwickelt würden und die staatlichen Einnahmen daraus auch in den Klimaschutz fließen, dann dienten sie einer angemessenen CO2-Bepreisung. Um Dumpingpreise im Luftverkehr zu verhindern, fordert der BDL die künftige Bundesregierung auf, sich für eine entsprechende EU-Regulierung einzusetzen, damit Flugtickets künftig nicht zu einem Preis unterhalb der anwendbaren Steuern, Zuschläge, Entgelte und Gebühren verkauft werden dürfen.

Beim Thema der Flughafeninfrastruktur warnt der BDL vor kurzsichtigen Entscheidungen. Die Infrastrukturentwicklung in Deutschland dürfe sich nicht am aktuellen Verkehrsaufkommen in der Covid-19-Pandemie orientieren, sondern müsse mit Weitsicht am künftigen Mobilitätsbedarf des Wirtschaftsstandorts Deutschland ausgerichtet werden. Zu den Maßnahmen für die zukunftsfähige Weiterentwicklung der Infrastruktur zählt der BDL die kontinuierliche Verbesserung des Systems der staatlichen Luftsicherheitskontrollen, die Unterstützung von geplanten Kapazitätserweiterungen durch die Politik und einen Bestandsschutz für die ohnehin stark eingeschränkten Betriebszeiten an den Flughäfen.