Austrian Airlines erhält Geld vom Staat und Lufthansa

Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech
Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech (© Austrian Airlines, Michèle Pauty)

Die österreichische Bundesregierung, Lufthansa und Austrian Airlines haben sich auf Eckpunkte für ein Corona-Hilfspaket in der Höhe von 600 Millionen Euro für den heimischen Netzwerk-Carrier Austrian Airlines verständigt. Die finanzielle Hilfe soll unterstützen, das Wiener Luftfahrt-Drehkreuz mit seiner Anbindung nach Zentral- und Osteuropa (CEE) und der Langstrecke langfristig abzusichern. Laut Wirtschaftskammer Österreich hängen 2,7 Milliarden Euro der heimischen Wertschöpfung, 17.500 Arbeitsplätze und 1 Mrd. Euro an Steuern und Abgaben an Austrian Airlines und ihrer Hub-Funktion.

Abgesicherte Standortzusagen

150 Millionen Euro werden von der Republik Österreich zur Abdeckung von Schäden infolge der COVID-19 Krise bereitgestellt. Im Gegenzug erhält die Regierung langfristige, verbindlich abgesicherte Standortzusagen, die an strenge ökologische Auflagen gebunden sind. Das gesamte Finanzierungspaket ist abhängig von der Staatshilfe für Lufthansa in Deutschland, der Zustimmung aller Gremien und der Genehmigung der EU Kommission.

„Austrian Airlines war und ist elementarer Teil der Multi-Hub Strategie der Lufthansa Group. Mit diesem Paket und in Kombination mit den verbesserten Rahmenbedingungen der österreichischen Luftfahrtsystempartner kann Austrian Airlines das Drehkreuz in Wien nach der Krise wieder aufbauen und Österreich mit wichtigen Zielen in Europa und auf der Welt verbinden“, sagt Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Group.

Die Standortauflagen zielen auch darauf ab, dass Austrian Airlines sich in Folge der COVID-19 Krise neu positioniert und so ausreichend Mittel erwirtschaftet, um den Kredit zurückzuzahlen. Im Rahmen ihrer laufenden Flottenmodernisierung wird die Fluglinie besonderen Fokus auf Umwelt und Nachhaltigkeit legen.

Auflagen werden festgelegt

Folgende Auflagen mit Fokus auf Nachhaltigkeit wurden unter anderem festgelegt:

  • Austrian wird Kurzstreckenflüge auf die Bahn verlagern, sofern eine adäquate Infrastruktur bereitsteht und eine direkte Erreichbarkeit deutlich unter drei Stunden nach Wien Flughafen sichergestellt ist. Es soll allerdings sichergestellt werden, dass alle Landeshauptstadtflughäfen an ein Lufthansa-Drehkreuz angebunden bleiben.
  • Der innerösterreichische CO2 Ausstoß soll bis 2030 halbiert werden.
  • Austrian Airlines sichert zu, die Treibstoffeffizienz um 1,5% pro Jahr zu steigern und den durchschnittlicher CO2-Ausstoß pro 100 Passagierkilometer über die gesamte Austrian Flotte von 9,55 kg auf 8,5 kg bis 2030 zu reduzieren.
  • Im Vergleich zu 2005 soll der CO2-Ausstoß bis 2030 um 30% reduziert werden.

Zur Aufsicht der Einhaltung aller Auflagen erhält die ÖBAG die Möglichkeit, zwei Personen in den Vorstand der Österreichischen Luftverkehrs-Privatstiftung (ÖLP), dem Mehrheitseigentümer der Austrian Airlines (über die Österreichischen Luftverkehrs-Holding), zu entsenden. Eine dieser beiden Personen wird außerdem einen Sitz im Aufsichtsrat der Austrian Airlines AG erhalten.

Außerdem ist für den Luftverkehrsstandort Österreich zweimal pro Jahr ein Dialog aller relevanten Stakeholder vorgesehen. Das Ziel des Luftverkehrsdialogs ist die kontinuierliche Weiterentwicklung und Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Stärkung des Drehkreuzes am Flughafen Wien.

Finanzierungsbedarf von 600 Millionen Euro

Nachdem Austrian Airlines ursprünglich 767 Millionen Euro an Liquiditätsbedarf bei der COVID19-Finanzierungsagentur des Bundes GmbH (COFAG) angemeldet hatte, ermöglicht der frühere Neustart und die seitens des Managements erfolgreiche Umsetzung von liquiditätserhaltenden Maßnahmen nur noch einen geringeren Finanzierungsbedarf von 600 Millionen Euro. Dieser Betrag wurde auch vom Wirtschaftsprüfer PwC bestätigt.

300 Millionen Euro davon werden als Kredit über eine Bankenfinanzierung bereitgestellt. Weitere 300 Millionen Euro seitens des Staates und der Lufthansa sollen das Eigenkapital stärken. Dadurch soll nicht nur die Rückführbarkeit der Bankfinanzierung abgesichert, sondern mittelfristig die Investitionsfähigkeit in nachhaltige Technologien sichergestellt werden. Das Bestehen von Austrian Airlines als systemrelevanter Partner für das Drehkreuz Wien kann damit sichergestellt werden.

Der Kredit über 300 Millionen Euro soll von einem österreichischen Bankenkonsortium bestehend aus Erste Group, Raiffeisenbank International, BAWAG und eventuell weiteren Banken zur Verfügung gestellt werden, wobei die Erste Group auch als Koordinator tätig ist. Nach Abschluss der nötigen Prüfungsschritte und aller Genehmigungen wird der Kredit von der Republik Österreich zu 90% über die COFAG garantiert.

7.000 Mitarbeiter verzichten auf Gehalt

Ein weiterer sehr wesentlicher Teil der Corona-Hilfe kommt von den Mitarbeitern der Fluglinie: Die knapp 7.000 Mitarbeiter schultern kumuliert etwa 300 Millionen Euro Krisenbeitrag, indem sie unter anderem auf Gehalt verzichten. Ebenso bedeutsam ist der Anteil von den über 1.000 Geschäftspartnern und Lieferanten von Austrian Airlines: in neuen Vereinbarungen konnte das Auftragsvolumen um mehr als 150 Millionen Euro reduziert werden, teilweise über neue Vereinbarungen, teilweise durch Verzicht.

Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech: „Ich bin sehr erleichtert und dankbar, dass es uns gemeinsam gelungen ist, Austrian Airlines wieder startklar zu machen. Austrian Airlines wird ab 15. Juni 2020 nach fast drei Monaten am Boden wieder starten und den Flugbetrieb im Einklang mit den internationalen Reiserichtlinien langsam wieder hochfahren. Wir freuen uns, dass wir schon bald wieder Passagiere an Bord begrüßen dürfen.“