Tablet-PC bringt Rettungshubschrauber schneller zum Unfallort

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Ob Wintersportler, Bergsteiger, ein verunglückter Badegast, und nicht zu vergessen: internistische und neurologische Notfälle – an 365 Tagen im Jahr bringt der Fresacher Notarzthubschrauber in Mittel- und Oberkärnten schnelle medizinische Hilfe. Als erster Notarzthubschrauber in Österreich kommt an Bord des "RK-1" seit über einem halben Jahr im Cockpit ein Tablet-PC zum Einsatz.

Die Genehmigung hatte die österreichische Luftfahrtbehörde AustroControl erteilt. Die Bilanz ist positiv: Der digitale Helfer erleichtert der Besatzung bei ihren Rettungseinsätzen nicht nur die Wetterabfrage und die Flugplanung sondern auch die Navigation.

Hubschrauber schneller am Unglücksort

Zeit, Gewicht und Kosten können gespart werden. Noch schneller als bisher kann die Besatzung auf präzises Kartenmaterial, das beispielsweise detailliert Berggipfel, Täler, Seen und Schutzhütten verzeichnet, zugreifen. Dies vereinfacht das Auffinden der Einsatzorte im alpinen Gelände, zum Beispiel bei Windeneinsätzen.

Die Vorteile des neuen Tablet-PCs (im Fachjargon Electronic Flight Bag, EFB) zeigen sich täglich: "Beispielsweise hat uns die Landesleitstelle Kärnten zu einem Bergeinsatz in die Steiermark alarmiert. Zum Auffinden des Einsatzortes war das EFB unerlässlich. Eine Bergsteigerin war beim Abstieg verunglückt. Gerade im alpinen Gelände lässt sich die exakte Position nur sehr schwer feststellen.

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Durch das hervorragende Kartenmaterial mit Suchfunktion im Tablet-PC benötigen wir heute nur den Namen eines Berggipfels oder eine Wegbeschreibung. Dies verkürzt den Suchflug erheblich. Nach nur 15 Minuten Flugzeit landeten wir bei der Patientin und konnten sie nach der Versorgung schnell und schonend in die Klinik nach Schladming fliegen. Das EFB ist, als "fünftes Besatzungsmitglied" aus dem täglichen Betrieb nicht mehr wegzugdenken", erläutert Pilot und Stationsleiter Jürgen Würtz.

Wetter genau im Blick: Flugplanung und Navigation verbessert

Im Sommer wie Winter können sich in Mittel- und Oberkärnten Wetterlagen schnell ändern. Die Piloten können jetzt mit dem Tablet-PC immer ein aktuelles Radarbild abrufen. "Da beispielsweise auch Blitzdaten zur Verfügung stehen, erkennen wir die Lage und Zugrichtung eines Gewitters genau. Es ist uns möglich Flugstrecken zu bewerten und gegebenenfalls Alternativen zu wählen. Auch können wir überall auf Webcams zugreifen und uns ein Bild über die Wetterverhältnisse vor Ort verschaffen – bislang war dies nur stationär am Computer möglich", erläutert Würtz.

Das EFB macht somit den Einbau eines Wetterradars in den Hubschrauber überflüssig. Eine schnelle und zuverlässige Streckenplanung ist jetzt mit einer auf dem Tablet-PC installierten Flugplanungs-App möglich: Ob Flugplatzübersicht, Besonderheiten auf der Flugstrecke (z.B. Sperrgebiete, Hindernisse) oder Betankungsmöglichkeiten – diese sind mit wenigen Clicks verfügbar.

Nächste App: Automatische Einsatz-Aufzeichnung

Die Anwendungen auf dem Tablet-PC werden täglich aktualisiert, so dass die Besatzung immer auf die neuesten Daten zugreifen kann. Eine weitere Ausbaustufe, die unmittelbare Dokumentation bzw. Flugaufzeichnung, ist in Planung. Damit könnte die zeitintensive manuelle Eingabe der Einsätze an der Station entfallen – eine entscheidende Arbeitserleichterung für die Besatzungen insbesondere in den Sommermonaten, wenn der "RK-1" fast pausenlos in der Luft ist.

Der in Fresach stationierte Notarzthubschrauber der ARA Flugrettung "RK-1" ist täglich an 365 Tagen im Jahr von 07:00 Uhr morgens bis Sonnenuntergang einsatzbereit. Er ist mit erfahrenen Piloten, Notärzten, Windenführern/Notfallsanitätern und Flugrettern besetzt und medizintechnisch voll ausgestattet. Als einzige Notarzthubschrauber in Österreich sind die rot-weißen Maschinen der ARA Flugrettung ("RK-1" in Fresach, "RK-2" in Reutte) mit einer Rettungswinde für Alpineinsätze ausgestattet. Mit diesen Rettungswinden können Einsätze im alpinen Gelände durchgeführt werden, wenn die Landung am Einsatzort nicht möglich ist.

Die ARA Flugrettung gehört zur DRF Luftrettung. Die Organisation betreibt an 30 Stationen in Deutschland und Österreich rund 50 Rettungs- und Intensivtransporthubschrauber. Darüber hinaus werden Ambulanzflugzeuge für weltweite Patiententransporte eingesetzt. Schon seit über einem Jahr kommen an Bord der Flugzeuge Tablet-PCs zum Einsatz.