ATV-5 wird zum Startplatz nach Kourou verschifft

ATV-5 “Georges Lemaître”, der fünfte und letzte von Astrium gebaute europäische Raumtransporter, ist auf dem Weg zum europäischen Weltraumbahnhof Kourou (Französisch-Guayana). Doch das nächste Projekt im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA steht schon an: Der Bau des Servicemoduls der ESA für die amerikanische “Orion”-Kapsel.

Neben der Produktion der ATV-Versorgungstransporter führt Astrium im Rahmen des so genannten Exploitation-Vertrages die gesamten Dienstleistungen zum Betrieb der europäischen Anteile der Raumstation in verschiedenen Arbeitspaketen. Dazu zählen die Missionsvorbereitung und -durchführung, das Astronautentraining, die Weiterentwicklung von Experimenten und Forschungseinrichtungen, die Wartung und Logistik aller europäischen ISS-Elemente und der Bodenstationen sowie das Kommunikationssystem und der Datentransfer.

Vollautomatisches Andocken an die ISS

“ATV ist Europas moderner und zuverlässiger Raumfrachter, ausgerüstet mit einzigartigen Systemen für vollautomatische und autonome Annäherungs- und Andockmanöver”, sagte Bart Reijnen, Vice President Orbital Systems & Space Exploration von Astrium Space Transportation, anlässlich der Verschiffung von ATV “Georges Lemaître”.

Wie schon seine Vorgänger wird auch ATV-5 “Georges Lemaître” in drei Spezialcontainern per Schiff von Bremen zum europäischen Weltraumbahnhof in Kourou gebracht. Gleichzeitig gehen rund 80 Seecontainer mit Testausrüstung auf die Reise. Am Weltraumbahnhof Kourou werden schließlich das Raumfahrzeug, das Frachtmodul ICC, die Sonnenkollektoren und das SDM (Distanzmodul zwischen ATV und Ariane) endmontiert. Danach wird das ATV vor Ort nochmals umfangreichen Tests unterzogen, bevor es als Nutzlast in die Nutzlastverkleidung einer Ariane 5 integriert, aufgetankt und angeschlossen wird. Der Start von “Georges Lemaître” ist für Juni 2014 vorgesehen.

Derzeit ist das ATV-4 “Albert Einstein” ein Bestandteil der Internationalen Raumstation. Im Rahmen der Mission wurde die Raumstation in regelmäßigen Abständen angeschoben (Re-boost-Manöver), um wieder den nominalen Orbit zu erreichen. ATV-4 Albert Einstein wird Ende Oktober von der Raumstation abdocken und kontrolliert in der Erdatmosphäre verglühen.

Bis zu sieben Tonnen Fracht – Danach Müllbehälter

Bei einer typischen Mission bringt das ATV Wasser, Treibstoff, Lebensmittel sowie wissenschaftliche Ausrüstung zur ISS. Zum Abschluss seiner Mission wird das ATV dann mit Abfällen beladen und von der Station abgetrennt, anschließend verglüht es beim gezielten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Außerdem ist das ATV auch zuständig für die regelmäßige Bahnanhebung der ISS auf ihren Betriebsorbit in rund 400 Kilometern Höhe und für Manöver zur Vermeidung von Kollisionen mit Weltraummüll.

Die maximale Nutzlastkapazität des 20 Tonnen schweren ATV liegt bei bis zu sieben Tonnen Nettofracht. Diese Ladung kann je nach Mission unterschiedlich aufgeteilt sein: 1,5 bis 5,5 Tonnen Fracht und Vorräte (Lebensmittel, Forschungsinstrumente, Werkzeug usw.), bis zu 840 Kilogramm Trinkwasser, bis zu 100 Kilogramm Gase (Luft, Sauerstoff und Stickstoff), bis zu vier Tonnen Kraftstoff für die Bahnhöhenkorrektur und bis zu 860 Kilogramm Treibstoff zum Auftanken der Station.

Neues Kapitel: Bau der amerikanischen Orion-Kapsel

“Die Technologie und die Erfahrung, die Astrium bei der ATV-Entwicklung und -Produktion gesammelt hat, bilden eine herausragende Basis für die Zukunft”, ergänzte Alain Charmeau, CEO Astrium Space Transportation. “Denn unsere nächste Herausforderung ist die Entwicklung des europäischen Servicemoduls im Auftrag der ESA für die amerikanische “Orion”-Kapsel.

Das Raumfahrzeug mit seiner Besatzung von vier oder mehr Astronauten wird dabei von einem vom ATV abgeleiteten Servicemodul MPCV-ESM angetrieben und versorgt. Die Entscheidung der NASA, ein derart wichtiges Element des Orion-Programms in europäische Hände zu legen, zeigt das klare Vertrauen in die transatlantische Partnerschaft und die Fähigkeiten der europäischen Partner.”