Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) übt scharfe Kritik an der angekündigten Schließung der Ryanair-Basis in Berlin. Diese Entscheidung sei ein weiteres Beispiel für eine rücksichtslose, rein profitorientierte Unternehmensstrategie, bei der die Interessen der Beschäftigten systematisch missachtet würden. Dennis Dacke, ver.di-Bundesfachgruppenleiter Luftverkehr und Maritime Wirtschaft: „Die geplante Schließung zeigt einmal mehr die maximale Profitorientierung von Ryanair, bei der soziale Verantwortung keinerlei Rolle spielt. Beschäftigte werden wie eine beliebige Verfügungsmasse behandelt, während das Unternehmen seine Standortentscheidungen an kurzfristigen Renditeinteressen ausrichtet.“
Betriebliche Mitbestimmung
Besonders besorgniserregend ist aus Sicht der Gewerkschaft der Umgang des Unternehmens mit der betrieblichen Mitbestimmung. Das Unternehmen hatte den örtlichen Betriebsrat nicht einmal über die Schließung informiert. Der Betriebsrat in Berlin werde seit Jahren von Ryanair systematisch behindert und diskreditiert, sagte Gewerkschafter Dacke: „Statt die Interessenvertretung der Beschäftigten zu respektieren, setzt das Unternehmen auf Einschüchterung und Denunziation. Das ist inakzeptabel. Gerade jetzt braucht es einen starken Betriebsrat, der die Interessen der Kolleginnen und Kollegen konsequent vertritt.“ ver.di kündigte an, den Betriebsrat vor Ort mit aller Kraft zu unterstützen und zu stärken. Die Gewerkschaft werde sich dafür einsetzen, dass Mitbestimmungsrechte konsequent durchgesetzt würden und die Beschäftigten eine starke Stimme behalten.
Verbindliche Sozialpläne gefordert
Angesichts der drohenden Auswirkungen der Schließung fordert ver.di umgehend konstruktive Verhandlungen mit Ryanair. „Jetzt ist die Zeit, tragfähige und faire Lösungen für die rund 500 betroffenen Beschäftigten zu finden“, erklärte Dacke. „Es muss alles darangesetzt werden, soziale Härten zu vermeiden und neue Perspektiven für die Kolleginnen und Kollegen zu schaffen.“ Dazu gehören aus Sicht der Gewerkschaft insbesondere verbindliche Sozialpläne, die die entstehenden Härten abfedern sowie Angebote zur Weiterbeschäftigung innerhalb der Ryanair-Gruppe in Deutschland mit gleichwertigen Arbeitsbedingungen.
ver.di kündigte an, einen von Ryanair angebotenen ersten Verhandlungstermin am kommenden Dienstag (28. April 2026) wahrzunehmen. „Wir erwarten, dass Ryanair seiner Verantwortung gerecht wird, nicht auf Zeit spielt und ernsthafte Gespräche über sozialverträgliche Lösungen führen will und wird“, sagte Dacke.



