Absturz eines Airbus A330 in Libyen vermutlich wegen Übermüdung

Am 12.05.2010 kam es im Anflug eines Airbus A330-202 auf Tripolis, Libyen, zu einem tödlichen Absturz, bei dem 93 Menschen auf tragische Weise ums Leben kamen. Die libysche Flugunfalluntersuchungsbehörde veröffentlichte vor wenigen Tagen den Abschlussbericht über das Unglück.

Aus dem Untersuchungsbericht, an dem auch die französische Untersuchungsbehörde Bureau d'Enquêtes et d'Analyses pour la sécurité de l'aviation civile (BEA) beteiligt war, geht hervor, dass Übermüdung der Piloten höchstwahrscheinlich ein beitragender Faktor war.

Die drei Piloten waren am 10.05.2010 abends um 19:45 Uhr Ortszeit von Tripolis nach Johannesburg, Südafrika, gestartet, wo sie um 04:45 Uhr Lokalzeit morgens ankamen. Am gleichen Abend um 21:25 Uhr traten sie ihren Rückweg nach Tripolis an, der mit dem Absturz um 05:01 Uhr endete.

Die Übermüdung führte zu mangelhafter Kommunikation und letztlich zu räumlichem Orientierungsverlust. Das Flugzeug schlug kurz vor der Landebahn auf den Boden und geriet in Brand. Alle Insassen bis auf einen Passagier, der schwer verletzt wurde, kamen dabei zu Tode.

Müdigkeit war beitragender Faktor

Berechnet man die Vor- und Nacharbeiten des Hinfluges ein, so betrug die Arbeitszeit ca. 9,5 Stunden. In der Folgenacht, auf dem Rückflug, betrug sie inklusive Vorarbeiten ca. 10 Stunden. Unberücksichtigt bleibt dabei, wie lange die Piloten zuvor bereits wach waren.

Die Ruhezeit am Tage in Johannesburg, in der der Schlaf wesentlich weniger erholsam ist, betrug ca. 15 Stunden. Die Behörde schließt aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen, dass Übermüdung vorgelegen haben muss. Diese schränkte die Leistungsfähigkeit der Piloten soweit ein, dass sie als ein beitragender Faktor des Unfallgeschehens gesehen wird.

Immer wieder kommt es aufgrund von Übermüdung der Piloten zu Vorfällen oder gar Unfällen. Die Vereinigung Cockpit fordert deshalb, wissenschaftliche Untersuchungen zur Grundlage der Neuregelung der Flugdienstzeiten in Europa zu machen.

"Der aktuell diskutierte Vorschlag der EASA über die Flugdienstzeitregelungen in Europa erlaubt Einsatzzeiten von bis zu 11 Stunden in der Nacht. Der Einsatz, wie ihn die Piloten in Tripolis absolviert haben, wäre nach europäischen Regeln völlig legal, sogar mit nur zwei Piloten. Wir fordern die Arbeitszeiten nachts auf 10 Stunden zu begrenzen. Wir folgen damit den von der EASA befragten Wissenschaftlern, die dies als maximal vertretbar ermittelt haben.", so Jörg Handwerg von der Vereinigung Cockpit.