Flughafen Frankfurt: Lärmschutzpaket im Fokus der Diskussion

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Erneute Vorstellung in der Fluglärmkommission

Die DFS Deutsche Flugsicherung und Flughafenbetreiber Fraport haben in der Sitzung der Fluglärmkommission Frankfurt (FLK) das weiterentwickelte Betriebskonzept für den Flughafen Frankfurt erneut vollständig vorgestellt. Das Konzept gründet in betrieblichen Notwendigkeiten und sieht vor, die bestehenden Nordwest-Abflugrouten dann häufiger zu nutzen, wenn es das Verkehrsaufkommen erfordert. Dies wird derzeit ab etwa 2030 erwartet. Mehr als 90 Prozent aller Flugbewegungen bleiben unverändert.    

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Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum (HMWVW) hat im Rahmen der FLK-Sitzung die Planfeststellungskonformität der Auswirkungen des weiterentwickelten Betriebskonzepts bestätigt. Betrachtet wird dabei das Jahr 2033 mit dem dort zu erwartenden Verkehrsaufkommen und dem für diesen Zeitpunkt antizipierten Betriebskonzept. Dieses gilt als Grundlage für die regelmäßig gesetzlich vorgesehene Überprüfung des Lärmschutzbereiches.     

Seit der ersten Vorstellung im Juni 2025 haben DFS und Fraport das Konzept im Detail optimiert, offene Fachfragen bearbeitet und sich in einer Arbeitsgruppe intensiv mit der FLK, den betroffenen Kommunen und dem HMWVW beraten. Daraus resultieren konkrete Maßnahmen für aktiven und passiven Schallschutz, die in einem Lärmschutzpaket gebündelt werden: Die Südumfliegung bleibt fester Bestandteil des weiterentwickelten Betriebskonzepts.

Die Veränderung des Nutzungsanteils der Nordwest-Abflugstrecken erfolgt nur im betrieblich notwendigen Maß. Wann immer möglich erfolgt eine unter Lärmaspekten gesamthaft vorzugswürdige Verkehrsabwicklung. Im Sinne einer Lärmpause sollen die Nordwest-Abflugstrecken am frühen Morgen in der Regel ungenutzt bleiben. Im passiven Schallschutz wurden Maßnahmen vereinbart, die über das gesetzliche Maß hinaus gehen.  

Weiterentwickeltes Betriebskonzept am Flughafen Frankfurt: was sich verändert und warum

Die Anpassungen im weiterentwickelten Betriebskonzept sind gezielt und begrenzt: Betroffen sind ausschließlich Abflüge von der Centerbahn bei Westbetrieb. Der mit zwei Dritteln deutlich überwiegende Teil der Abflüge erfolgt unverändert von der Startbahn West.     

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Das Konzept sieht vor, mehr Abflüge auf die vorhandenen Nordwest-Abflugrouten zu verlegen und diese abhängig von der Verkehrsnachfrage zu nutzen. Diese flexible Nutzung funktioniert wie eine Weiche: Die DFS prüft für jede Betriebsstunde, wie hoch die Abflugnachfrage auf der Centerbahn ist. Ist sie gering, steht die Weiche auf „Südwest“ – Flugzeuge werden nach Start von der Centerbahn über die Südumfliegung geführt. Ist sie hoch, steht die Weiche auf „Nordwest“ – nach Start werden die Nordwest-Abflugrouten beflogen.

Das bedeutet: In Zukunft gibt es in beiden Regionen Tageszeiten ohne Überflüge. Im Jahresdurchschnitt werden voraussichtlich im Jahr 2030 ein bis zwei Flugbewegungen mehr pro Stunde über die Nordwest-Abflugstrecken erfolgen. Die Südumfliegung bleibt fester Bestandteil des Konzepts und wird in verkehrsärmeren Tageszeiten weiterhin genutzt. Es entstehen keine neuen Flugrouten.    

Hintergrund ist eine grundlegende Veränderung der betrieblichen Rahmenbedingungen gegenüber dem vor mehr als 18 Jahren beendeten Planfeststellungsverfahren: Die Südumfliegung steht nach einem Vorfall im Dezember 2011 und der daraus resultierenden Sicherheitsempfehlungen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) nicht mehr in dem ursprünglich geplanten Umfang zur Verfügung. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass die Nordwest-Abflugstrecken dank moderner Navigationsverfahren mehr Kapazitäten bieten als im Planfeststellungsverfahren angenommen. Das weiterentwickelte Betriebskonzept ist damit die fachlich gebotene Antwort auf diese veränderte betriebliche Realität.    

„Wir rechnen langfristig mit einem Anstieg des Verkehrsaufkommens am Flughafen Frankfurt“, sagt Dr. Pierre Dominique Prümm, Chief Technical Officer (CTO) Fraport AG. „Die steigende Zahl an Flügen schlägt sich schon heute in der Belastung zu Spitzenstunden nieder. Die Kapazitätsgrenze des aktuellen Betriebskonzepts rückt damit näher. Mit dem weiterentwickelten Betriebskonzept gewährleisten wir auch künftig einen sicheren, geordneten und flüssigen Betrieb und berücksichtigen dabei alle Vorgaben des Planfeststellungsbeschlusses zum Ausbau des Flughafens.“    

Der Planfeststellungsbeschluss 2007 wurde auf Basis einer Verkehrsprognose von 701.000 Flugbewegungen pro Jahr erteilt. Dem weiterentwickelten Betriebskonzept liegt eine Prognose von 560.000 Flugbewegungen im Jahr 2033 zugrunde.    

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Neufestsetzung des Lärmschutzbereichs: geregeltes Verfahren, klare Zuständigkeiten

Das weiterentwickelte Betriebskonzept ist unmittelbar eingebettet in den laufenden Prozess zur Überprüfung des Lärmschutzbereichs, der gesetzlich alle zehn Jahre vorgeschrieben ist. Das HMWVW ist als zuständige Landesbehörde hierfür verantwortlich. Für die Berechnung der Lärmkonturen und Schutzansprüche benötigt das HMWVW für das Betrachtungsjahr 2033 ein funktionales Betriebskonzept als Grundlage.  

Die vorliegenden Berechnungen zeigen: Das weiterentwickelte Betriebskonzept führt gesamthaft zu nicht mehr Lärmbetroffenen in der Region als das aktuelle Betriebskonzept. Die Fläche des Lärmschutzbereichs 2033 wird in Summe gegenüber dem Lärmschutzbereich 2011 kleiner. Die Gesamtlärmbelastung bleibt deutlich unterhalb der im Planfeststellungsverfahren als abgewogen geltenden Werte.  

„Gemeinsam mit der Fraport AG haben wir verschiedene Optionen geprüft“, sagt Dirk Mahns, Geschäftsführer Betrieb der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH. „Das weiterentwickelte Betriebskonzept nutzt ausschließlich bestehende Flugrouten und optimiert die Verkehrsverteilung so, dass wir Sicherheits- und Kapazitätsanforderungen erfüllen, bei möglichst geringer Belastung des Umfelds. Uns ist bewusst, dass der Nordwesten künftig mehr Überflüge erleben wird. Das ermöglicht uns aber eine sichere und flüssige Bearbeitung des zukünftigen Luftverkehrs, bei gleichzeitigem Blick auf die Interessen der Region.“  

Lärmschutzpaket: geplante Entlastung für die Region

DFS und Fraport haben nach Gesprächen mit Vertretern aus Kommunen und dem HMWVW ein Lärmschutzpaket für die betroffene Region entwickelt. Es ergänzt die Maßnahmen des aktiven und passiven Lärmschutzes um Kompensationsangebote für besonders betroffene Kommunen und Bürgerinnen und Bürger.  

Das Lärmschutzpaket steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Gremien. Die wesentlichen Elemente des Pakets am Flughafen Frankfurt umfassen:  

  • Lärmpausen am frühen Morgen im Nordwesten bei Westbetrieb: Bis 6 Uhr regulatorisch verankert; bis 7 Uhr wann immer betrieblich möglich  
  • Die konsequente Nutzung der Südumfliegung wann immer möglich    
  • Einen über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehenden passiven Schallschutz mit erweiterten Erstattungsmöglichkeiten und kürzeren Fristen für betroffene Anwohnerinnen und Anwohner  
  • Die Ausweisung eines freiwilligen Schallschutzgebiets im Nordwesten für Bereiche, die durch das weiterentwickelte Konzept stärker betroffen werden  
  • Ein transparentes Monitoring der tatsächlichen Nutzungsquoten von Nordwest- und Südumfliegung mit öffentlicher Berichterstattung  
  • Anreize für den Einsatz moderner und leiser Flugzeuge, unter anderem über Entgeltregelungen  

„Wir nehmen die Anliegen der betroffenen Kommunen und Bürgerinnen und Bürger ernst. Das Lärmschutzpaket ist Ausdruck dieser Haltung. Wir wollen die Menschen in der Region nicht nur informieren, sondern gemeinsam mit ihnen und den zuständigen Gremien zu tragfähigen Lösungen kommen“, betont Dr. Pierre Dominique Prümm.

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Rollverkehr am Flughafen Frankfurt

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Nils Sörensen
Nils Sörensen
Nils Sörensen ist Fachjournalist für Luftfahrt mit 12 Jahren Erfahrung. Er ist spezialisiert auf Luftfahrttechnik, Branchenanalysen und aktuelle Trends. Seine Leidenschaft ist, komplexe Themen verständlich zu machen - immer auf der Suche nach den neuesten Innovationen am Himmel.

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