DLR-Planetenforscher veranstalten Mond-Konferenz in Berlin

Der Mond bleibt ein faszinierendes Forschungsziel für Wissenschaftler aus aller Welt. Das DLR-Institut für Planetenforschung veranstaltet daher in Kooperation mit dem Lunar Science Institute der amerikanischen Weltraumbehörde NASA am 19. und 20. April 2012 im Forum Adlershof in Berlin ein zweitägiges Mond-Symposium. 170 Teilnehmer, vor allem aus Europa, den USA, Japan und Russland, tauschen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Erdtrabanten aus. Prof. Ralf Jaumann, Leiter der Abteilung Planetengeologie des DLR-Instituts für Planetenforschung, erklärt worum es bei diesem europäischen Spitzentreffen der Mond-Forscher geht.

Warum richten das DLR und vier weitere Partner eine Mond-Konferenz aus? In den vergangenen drei Jahren hat sich in der Mondforschung Wesentliches getan. Seit den beiden Missionen Chandrayaan-1, der ersten indischen Mondmission im Jahre 2008, und "Lunar Reconnaissance Orbiter" (LRO) der NASA , die 2009 gestartet ist, ist unser Bild vom Mond komplett auf den Kopf gestellt worden. Bis dahin dachte man, der Erdtrabant sei extrem trocken, doch jetzt geht man davon aus, dass es auf dem Mond Wasser gibt. Zwar wenig, aber trotzdem eine Sensation. Wasser wurde in den so genannten Kältefallen am Südpol gefunden. Das sind sehr tiefe Einschlagskrater, in die nie Licht und damit auch keine Wärme hineingelangt.

Wasser auf dem Mond aus Sonnenwind

Zudem kann Wasser auch auf der Mondoberfläche als Reaktion der Wasserstoffprotonen des Sonnenwinds mit dem Sauerstoff des Mondgesteins entstehen, und mit modernen Untersuchungsmethoden wurde auch Wasser in von den Apollo-Missionen zur Erde gebrachten Gesteinsproben gefunden. Damit ist die Theorie eines ‚trockenen’ Mondes nicht mehr haltbar. Dies wirft aber neue Fragen zur Entstehung des Himmelskörpers auf. Die besondere Faszination des Mondes liegt auch darin, dass er das einzige astronomische Objekt ist, das man mit bloßem Auge beobachten können und das unser Leben, zum Beispiel mit dem Monatskalender und Ebbe und Flut direkt beeinflusst.

Ziele des zweitägigen Symposiums

Auf dem Programm steht der Austausch im europäischen und internationalen Rahmen darüber, wo die Wissenschaft steht und was die vielen neuen Aspekte für die künftige Mondforschung bedeuten. Als Trabant spielt der Mond für die Erde selbst eine sehr große Rolle, er stabilisiert zum Beispiel die Erdachse. Des weiteren wissen wir, dass man relativ leicht zum Mond kommen kann. Das ist wissenschaftlich wie auch technologisch eine sehr spannende und reizvolle Herausforderung.

Zudem ist der Mond unheimlich alt, und seine Oberfläche zeigt Spuren, die fast bis zur Entstehung des Sonnensystems zurückreichen. Eine weitere Aufgabe ist die Dokumentation, wie der Mond heute aussieht, denn, in 100 Jahren wird er wohl nicht mehr so aussehen wie die letzten vier Milliarden Jahre.

Rolle des DLR in der Mond-Forschung

Das DLR ist und war an verschiedenen Mond-Missionen beteiligt. Das Institut für Planetenforschung verfügt über sehr große geologische und geodätische Erfahrung zur Untersuchung planetarer Körper. Das wird für die Exploration und Vermessung des Mondes benötigt. Im letzten Jahr konnte mit aktuellen Daten das bisher beste globale topographische Modell der Mondoberfläche berechnet werden.

Zudem hat das DLR eine sehr starke robotische Kompetenz. Für die Erkundung des Mondes braucht man ja nicht nur ein Raumschiff, sondern auch eine Landung in schwierigem Gelände und autonome Fortbewegung inklusive der notwendigen Energieversorgung muss realisiert werden. Es herrscht auf dem Mond eine lange Nacht von 14 Tagen. Es bedarf daher nicht nur der Entwicklung von Energiespeichertechniken, die in dieser unwirtlichen Umgebung funktionieren, sondern auch der entsprechenden Materialien.

Es gibt wissenschaftliche, aber auch kommerzielle Interessen, den Mond zu erforschen. Aber heute ist es wichtiger denn je, mit vertretbaren Kosten wissenschaftlich zu arbeiten. Was die Herausforderungen nach der Internationalen Raumstation ISS? Der Mond erscheint den Mondforschern als der nächste logische Schritt bei der intensiven Erforschung der Erdumgebung. Man ist sozusagen in nur zwei Tagen dort. Wenn man wirklich wieder eine bemannte Mond-Mission verwirklichen will, vielleicht sogar einen längeren Aufenthalt, muss man mehr vom Mond verstehen.

Insbesondere die Wasserfrage ist und bleibt entscheidend. Die von der ESA geplante Lunar-Lander-Mission für 2018 soll am Südpol des Mondes landen. Das wäre ein wichtiger wissenschaftlicher Schritt. Der Mond ist ein sehr gutes Testfeld für Weltraumtechnologien und für naturwissenschaftliche Grundlagenforschung. Vor allem auch, um Fragen des Werdegangs der jungen Erde, und damit der Entwicklung von Leben auf unserem Planeten, zu beantworten.