ATV-4 nun auf dem Weg nach Kourou

Im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA ist Astrium für die Entwicklung wie auch die Produktion der ATV (Automated Transfer Vehicle) verantwortlich. „Albert Einstein“, der vierte von Astrium gebaute europäische Raumtransporter, ist nun auf dem Weg zum europäischen Weltraumbahnhof Kourou (Französisch-Guayana).

Neben der Produktion der ATV-Versorgungstransporter führt Astrium im Rahmen des so genannten Exploitation-Vertrages die gesamten Dienstleistungen zum Betrieb der europäischen Anteile der Raumstation in verschiedenen Arbeitspaketen. Dazu zählen die Missionsvorbereitung und -durchführung, das Astronautentraining, die Weiterentwicklung von Experimenten und Forschungseinrichtungen, die Wartung und Logistik aller europäischen ISS-Elemente und der Bodenstationen sowie das Kommunikationssystem und der Datentransfer.

„Nach der Einstellung des amerikanischen Space-Shuttle-Programms ist das ATV der größte Versorgungstransporter für die ISS und damit unverzichtbarer Bestandteil für die Versorgung der Internationalen Raumstation. ATV ist Europas modernster Raumfrachter, der mit innovativen Systemen für vollautomatische und autonome Annäherungs- und Andockmanöver ausgerüstet ist“, sagte Alain Charmeau, CEO von Astrium Space Transportation, anlässlich der Verschiffung von ATV “Albert Einstein”.

„Die Technologie und die Erfahrung, die Astrium bei der ATV-Entwicklung gesammelt hat, stellen ein einzigartiges Gut für Europa dar und stärken seine industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Darüber hinaus bilden sie eine herausragende Basis für weitere Entwicklungen, um die führende Position von Europa im Bereich Exploitation und Exploration zu erhalten“, ergänzt Michael Menking, Direktor Bemannte Raumfahrt und Weltraumerforschung bei Astrium. „Wir werden hier unsere Erfahrungen aus der Entwicklung und Produktion der ATV und des Weltraumlabors Columbus nutzen, um die vorhandenen Technologien für zukünftige Missionen unterschiedlichster Art weiterzuentwickeln“, Astrium hat im Juni 2012 zwei Studienaufträge von der ESA mit einem Volumen von insgesamt 13 Millionen Euro bekommen, die sich mit der Entwicklung neuer Raumfahrzeuge beschäftigen.

Wie schon seine Vorgänger wird auch ATV-4 “Albert Einstein” in drei Spezialcontainern per Schiff von Bremen zum europäischen Weltraumbahnhof in Kourou gebracht. Gleichzeitig gehen rund 35 Seecontainer mit Testausrüstung auf die Reise. Am Weltraumbahnhof Kourou werden schließlich das Raumfahrzeug, das Frachtmodul ICC, die Sonnenkollektoren und das SDM (Distanzmodul zwischen ATV und Ariane) endmontiert. Danach wird das ATV vor Ort nochmals umfangreichen Tests unterzogen, bevor es als Nutzlast in die Nutzlastverkleidung einer Ariane 5 integriert, aufgetankt und angeschlossen wird. Der Start von „Albert Einstein“ ist für das Frühjahr 2013 vorgesehen.

“Wir liegen mit unseren Arbeiten für ATV-4 wie auch mit der Integration des ATV-Transporters Nr. 5 “George Lemaître” im Zeitplan”, sagte Michael Menking abschließend.

Bei einer typischen Mission wird das ATV Wasser, Treibstoff, Lebensmittel sowie wissenschaftliche Ausrüstung zur ISS bringen. Zum Abschluss seiner Mission wird das ATV mit Abfällen beladen und von der Station abgetrennt, anschließend verglüht es beim kontrollierten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Außerdem ist das ATV auch zuständig für die regelmäßige Bahnanhebung der ISS auf ihren Betriebsorbit in rund 400 Kilometern Höhe und für Manöver zur Vermeidung von Kollisionen mit Weltraummüll.

Die maximale Nutzlastkapazität des 20 Tonnen schweren ATV liegt bei bis zu sieben Tonnen Nettofracht. Diese Ladung kann je nach Mission unterschiedlich aufgeteilt sein: 1,5 bis 5,5 Tonnen Fracht und Vorräte (Lebensmittel, Forschungsinstrumente, Werkzeug usw.), bis zu 840 Kilogramm Trinkwasser, bis zu 100 Kilogramm Gase (Luft, Sauerstoff und Stickstoff), bis zu vier Tonnen Kraftstoff für die Bahnhöhenkorrektur und bis zu 860 Kilogramm Treibstoff zum Auftanken der Station.

Das ATV muss die Sicherheitsanforderungen für die bemannte Raumfahrt erfüllen. So sind die digitale und elektronische Architektur des ATV doppelt redundant ausgelegt. Ein fehlertoleranter Zentralrechner – bestehend aus drei Rechnermodulen – sorgt für einen parallelen, sicheren und reibungslosen Ablauf der ATV-Mission.